Ein Leben wie ein Film – „Ich trank Gift wie kachetischen Wein“ von Lana Gogoberidse

Ich trank Gift wie kachetischen Wein ist eine einzigartige und zutiefst persönliche Autobiografie der georgischen Regisseurin Lana Gogoberidse, die 2019 bei dem Mitteldeutschen Verlag in der Übersetzung von David Kakabadse erschienen ist. Das Buch ist eine vielfältige Erinnerung an das Schöne und das Traurige innerhalb eines totalitären Systems in der ehemaligen Sowjetunion. Die Geschichte wird mutig und…

Filmfestivals zwischen Online-Angebot und Verschiebung

Das Kino lebt von der gemeinschaftlichen Erfahrung, doch volle Kinosäle sind in Zeiten von Corona ein Wunschgedanke. Was also tun bei einem Festival, das zwar vor allem den Film feiert, aber gleichzeitig auch den Ort, an dem der Film lebt und zu seinen Zuschauern kommt: den Kinosaal? Zwei der wichtigen Filmfestivals für mittel- und osteuropäische…

Radka Denemarková – Ein Beitrag zur Geschichte der Freude

Wir leben in einer Zeit, in der patriarchale Muster, männliche Macht und Arroganz nicht nur viel zu präsent sind, sondern auch wieder zu erstarken scheinen. Ist es also Zeit für einen Neustart? In der Literatur steht die Schwalbe meist für einen Neuanfang – denn nicht umsonst kündigen sie uns den Frühling an. Bei Radka Denemarkovás…

Quarantäne-Lektüren: Neue osteuropäische Migrationsliteratur

Die Migrationsprosa kann als eine Anti-Corona-Literatur gelesen werden, da sie in der Regel von der Bewegung zwischen den Ländern, Kulturen und Sprachen handelt. In der deutschsprachigen und englischsprachigen Literatur gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten eine Literaturtradition, die migrierte und in die jeweilige Sprache „eingewanderte“ AutorInnen vereint. In den letzten zwei Jahren sind in deutscher…

Quarantäne-Lektüren: Neue Kinderbücher aus dem NordSüd Verlag

Die mittel- und osteuropäische Kinderliteratur ist im deutschsprachigen Raum durch einige AutorInnen bekannt. Nicht weniger interessant sind die IllustratorInnen, die die Kinderbücher mit ihren einzigartigen Bildern und ihrer Ästhetik schmücken. Der Zürcher Verlag NordSüd hat zwei neue Titel herausgebracht, die durch ihre Illustrationen mit dem osteuropäischen Raum verbunden sind. von Irine Beridze Eine wunderbare und…

Zwei Architekturtitel von DOM publishers

Der Berliner Verlag DOM publishers veröffentlicht seit 2005 neben den Architekturführern wissenschaftliche Publikationen zur Architektur, Städtebau und Design mit ganz besonderem Schwerpunkt zu Mittel- und Osteuropa aber auch Zentralasien. Zwei neue Publikationen führen uns sehr deutlich vor Augen, wie spannend und vielseitig die wissenschaftliche Beschäftigung mit Architektur sein kann und erhöhen zugleich unser Bewusstsein für…

Graphic Novel – „Tschechenkrieg“

von Irine Beridze Graphic Novels lesen und besprechen wir auf Read Ost in der Regel sehr gerne. Dieses Mal geht es um eine Übersetzung aus dem Tschechischen, die letztes Jahr im Zuge des Gastlandauftrittes von Tschechien auf der Leipziger Buchmesse beim Voland & Quist erschienen ist. Der Dresdner Verlag ist sehr bekannt für seinen ausgeprägten…

Zwei Debütantinnen: Dana von Suffrin mit “OTTO” und Luba Goldberg-Kuznetsova mit “Lubotschka”

Dana von Suffrins Debütroman “Otto” (Kiepenheuer und Witsch) ist einer meiner literarischen Favoriten des vergangenen Jahres. Die Hauptfigur des Romans ist der pensionierte Ingenieur jüdischer Herkunft Otto. Die beiden Töchter Timna und Babi sind nun für sich im fortgeschrittenen Alter befindenden Vater das Zentrum seiner Welt. Ein Familienpatriarch, der seine Töchter schon immer tyrannisiert hat?…

Wilder Ritt durch Zaporoschje: „Puschkins Erben“ von Svetlana Lavochkina

von Annika Grützner „Puschkin mit uns, Dickens mit denen!“ lautet der Leitspruch der Einwohner des ukrainischen Zaporoschjes. Durch jenes verschlafene Dorf reiste Puschkin angeblich im Jahr 1820 auf dem Weg in seine Verbannung, verlor hier einen wertvollen Ring und schwängerte die Frau eines Gastwirtes. 150 Jahre später springen wir in die Zeit des Kalten Krieges…

Exil in der Heimat — ukrainisches Nachkriegstrauma in Atlantis

Der Spielfilm Atlantis (2019) von dem ukrainischen Regisseur Valentyn Vasyanovych gewinnt auf dem 76. Internationalen Filmfestival von Venedig den Hauptpreis der Sektion Orizzonti als Bester Spielfilm. Der Tag der Auszeichnung ist zufällig der, an dem ein anderer ukrainischer Filmregisseur – Oleg Sentsov – im Rahmen eines Gefangenenaustauschs aus russischer Haft entlassen wird. Der Filmtitel Atlantis lässt…