Exil in der Heimat — ukrainisches Nachkriegstrauma in Atlantis

Der Spielfilm Atlantis (2019) von dem ukrainischen Regisseur Valentyn Vasyanovych gewinnt auf dem 76. Internationalen Filmfestival von Venedig den Hauptpreis der Sektion Orizzonti als Bester Spielfilm. Der Tag der Auszeichnung ist zufällig der, an dem ein anderer ukrainischer Filmregisseur – Oleg Sentsov – im Rahmen eines Gefangenenaustauschs aus russischer Haft entlassen wird. Der Filmtitel Atlantis lässt…

Vom Fährtenlesen der Momente – Vladimíra Valová über das Wesen der Kurzgeschichte

Vladimíra Valová wurde 1978 in Třebíč, der Tschechischen Republik, geboren und arbeitet dort als Buchhändlerin. Ab 2009 schrieb sie Kurzgeschichten, von denen einige im Host-Magazin veröffentlicht wurden und arbeitete als Redakteurin einer Regionalzeitung. Im Jahr 2017 veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichtensammlung, die 2018 unter dem Titel „Ins Landesinnere“ von Christina Frankenberg übersetzt wurde, und in der…

Das Lob des intimen Kenners: László Földéniy und die Melancholie

László Földéniys „Lob der Melancholie“ (Matthes & Seitz) ist eine verschriftlichte Quintessenz menschlicher Auseinandersetzungsstrategien über die eigenen unüberwindbaren Existenzgrenzen, die zwischen einem liebevollen Portrait und einem persönlichen Reiseführer changiert. von Amanda Beser László Földéniy ist nicht nur ein enthusiastischer Kulturtheoretiker, sondern auch ein neugieriger Weltenbummler. Die ‚Rätsel dieser Erde‘ führten ihn zur Melancholie. In seinem neu…

Oleg Senzow ist frei!!! Wir lesen seine Geschichten

Oleg Senzow ist ein ukrainischer Filmemacher und Autor und seit 2014 bis vor Kurzem in russischer Haft wegen der angeblichen Planung von terroristischen Handlungen. Senzow, der sich bei der Maidanbewegung sehr aktiv engagiert hat, sagte zu Beginn seines Prozesses: „Der Maidan war das Wichtigste, was ich in meinem Leben geleistet habe“. Seit Jahren führten seine…

‘Was soll man mit einer solchen Familie anfangen?’ „Das Blut ist blau“ von Undinė Radzevičiūtė

Familienstreit. Damit fängt es an. Tante und Mutter streiten sich. Mutters Tochter Undinė interessiere sich nicht für die Geschichte der eigenen Familie, sagt die Tante. Das stimmt eigentlich, aber um den Streit zu schlichten, vertieft sich Undinėin ihren Stammbaum. Gleich zu Beginn ihrer Ahnensuche macht Undinė eine schockierende Entdeckung – Ihre blaublütigen Verwandten, so viel…

Die Auflösung im anderen: „Eine Liebe in New York“ von Tadeusz Dąbrowski

Ein junger polnischer Dichter trifft auf seiner Lesereise in den Staaten auf eine jüngere Frau, die ihn um den Verstand bringt: Megan. Aus ihrer zufälligen Begegnung in einer New Yorker U-Bahn entspannt sich ein Spiel des Begehrens mit all seinen (unvorhersehbaren) Konsequenzen. von Ricarda Fait „Heute habe ich aus deinem Aktfoto ein Auge ausgewählt /…

Immer unterwegs: „Unrast“ von Olga Tokarczuk

„Reg dich, beweg dich, los, Bewegung, Unrast. Nur so kannst du ihm entkommen. Er, der die Welt beherrscht, hat keine Macht über die Bewegung und weiß, dass unser Körper in Bewegung heilig ist, nur dann kannst du ihm entgehen, wenn du dich bewegst. Er aber hat die Herrschaft über das, was so unbeweglich und erstarrt…