Hilferuf: “Immer wenn ich meine Augen schließe” von Zoltán Böszörményi

“Auch ich schließe die Augen. Sehe Mami vor mir. Sage ihr, wie schrecklich müde ich bin. Sie nimmt meine Hand: Schlaf, meine Kleine, schlaf!” In seinem Roman “Immer wenn ich meine Augen schließe” (mitteldeutscher verlag) schildert der ungarische Autor Zoltán Böszörményi die Gedanken und Gefühle eines kleinen Mädchens, das langsam verschwindet. Mit elf Jahren wiegt…

Ein Lebensalphabet in Miniaturen: “Mein Alphabet” von Ilma Rakusa

Ehrlich, gefühlvoll, konkret, gebildet, kurzweilig, tiefgehend – so vielseitig und facettenreich ließe sich Ilma Rakusas „Mein Alphabet“ (Literaturverlag Droschl) beschreiben. In ihrem Band führt sie unter jedem Buchstaben des Alphabets Begriffe auf, die ihr Leben ausgemacht haben oder stets ausmachen – beginnend mit A wie „anders“, über L wie „Licht“ und O wie „Osten“ bis…

Literarische Weihnachtstipps

Die Feiertage rücken näher und auch in diesem Jahr möchten wir euch ein paar Tipps für Kurzentschlossene präsentieren. Los geht es! „Budapest verstehen zu wollen, ist ein lebenslanger Prozess angesichts einer faszinierenden, geradezu wilden Fülle an Merkwürdigkeiten im doppelten Sinn.“ Nachdem ich 2014 ein halbes Jahr als Erasmusstudentin in Budapest lebte, mache ich einen großen…

Ein Jahrhundert Geschichte: Erinnerungen und Biografien

Der Zweite Weltkrieg, die Zeit des Eisernen Vorhangs und zunehmende Globalisierung mit dem Zerfall alter Strukturen sind wiederkehrende Elemente in vielen Texten europäischer SchriftstellerInnen. In diesem Beitrag möchten wir euch drei aktuelle Werke vorstellen, in denen sich ihre VerfasserInnen mit der Geschichte fiktiver und realer Figuren auseinandersetzen. von Annika Grützner Der 1966 in Sarajevo geborene…

Gedichte und Erzählungen von Lia Sturua und Zoltán Böszörményi

In diesem Beitrag möchten wir euch zwei Poeten vorstellen, deren Werke in der letzten Zeit erstmals in deutscher Übersetzung erschienen sind.  Die georgische Lyrikerin und Essayisten Lia Sturua (1939 in Tbilissi geboren) löste mit ihren ersten Publikationen in ihrer Heimat einen literarischen Skandal aus. Das konservative Georgien der 60er-Jahre reagierte mit Empörung auf die dichtende…

Das Lob des intimen Kenners: László Földéniy und die Melancholie

László Földéniys „Lob der Melancholie“ (Matthes & Seitz) ist eine verschriftlichte Quintessenz menschlicher Auseinandersetzungsstrategien über die eigenen unüberwindbaren Existenzgrenzen, die zwischen einem liebevollen Portrait und einem persönlichen Reiseführer changiert. von Amanda Beser László Földéniy ist nicht nur ein enthusiastischer Kulturtheoretiker, sondern auch ein neugieriger Weltenbummler. Die ‚Rätsel dieser Erde‘ führten ihn zur Melancholie. In seinem neu…

Armutsbilder: „Stromern“ von Andor Endre Gelléri

„Aber was soll man tun? Wer steht schon auf unserer Seite? Mein lieber Herr, schließlich sind wir nicht zur Welt gekommen, um Menschen zu sein.“ Menschen stromern umher, stromern durch Städte, Straßen und auch durch ihre eigenen Gedanken. So geht es auch den Protagonisten in den Kurzgeschichten Andor Endre Gelléris, nur, dass ihr Stromern oftmals…

66 Seiten „Baron Wenckheims Rückkehr“ von László Krasznahorkai

Es gibt immer wieder Bücher, die herausfordern. Sei es das Genre, die Figuren oder der Schreibstil – jede neue Geschichte birgt ein Abenteuer. Dennoch kann es aber auch passieren, dass dieses Abenteuer scheitert, so geschehen mit mir und „Baron Wenckheims Rückkehr“ von László Krasznahorkai (S. Fischer Verlag). Der Klappentext ist schnell nacherzählt: Der ruhmreiche Baron…

Schicksale – drei Indies und Kurzgeschichten

Kosovo-Krieg: 24. März 1999, Einsatz der Nato: 1. Luftangriff, bis 12. Juni 1999, Pristina. Elvira Dones´ Roman „Kleiner sauberer Krieg“ (INK PRESS) ist ein einprägsames Schreckensbild zum Ende des letzten Jahrhunderts. In Pristina harren drei junge Frauen ohne Strom, ohne Wasser und ohne Telefon inmitten der umkämpften Stadt aus. Teile ihrer Familie und Freunde haben…