Zwei Schriftstellerinnen, zwei Geschichten, zwei Verfolgte

Zwei Schriftstellerinnen, ein Jahrhundert und zwei Geschichten geprägt von Verfolgung und dem Gefühl des Eingesperrt-Seins. Ljudmila Petruschewskaja beschreibt in „Das Mädchen aus dem Hotel Metropol“ die Anfänge ihres Lebens bis in die ersten Berufsjahre als Journalistin in Moskau, die Rumänin Kristiane Kondrat hingegen beschäftigt sich in ihrem Roman „Abstufung dreier Nuancen von Grau“ mit der…

Wild, frei und mutig: Drei Stimmen

Von Annika Grützner Neben wild, frei und mutig könnte man die folgenden Texte auch als rau und ehrlich bezeichnen. Die Rumänin Lavinia Branişte, der Bulgare Toma Markov und der Georgier Surab Leschawa haben mit ihren Erzählungen hinter verschlossene Türen geblickt. Im Folgenden wollen wir euch diese näher vorstellen. Bulgarien, 1998: In einer nicht genannten Stadt…

Rumänischer Klassiker: „Humbug und Variationen“ von Ion Luca Caragiale

Der Guggolz Verlag wagt sich als kleiner, unabhängiger Verlag (und zurecht als einer unserer liebsten!) immer wieder an literarische Texte, die vergessen wurden und zwischen den zahllosen Neuerscheinungen pro Jahr mehr und mehr verloren gehen. Mit der Kurzgeschichtensammlung „Humbug und Variationen“ des Rumänen Ion Luca Caragiales kann der Verlag nun einen weiteren Haken hinter einem literarischen…

Tagebuch der Identität: Rodica Draghincescus „Die Fee der Teufel“

Ein Schloss nahe Stuttgart, in dem auch Schiller zeitweilig lebte, eine einsame rumänische Autorin und ein Telefon, das niemals still zu stehen scheint: Rodica Draghincescus „Die Fee der Teufel“ (KLAK Verlag) ist ein turbulenter und teils autobiografischer Tagebuchroman. Es fehlt schwer, das Buch zusammenzufassen, denn hat man erst einmal den Zugang zum Text gefunden (oder…

Armenische Erinnerungen: „Buch des Flüsterns“ von Varujan Vosganian

„Die Armenier, durch Massaker gegangen und Vertreibungen, das Zeichen der Heimatlosen tragend und eher gewohnt, sich unbemerkt durchzumogeln, im Flüsterton zu sprechen und bescheiden zu leben, hatten sich das laute Sprechen abgewöhnt.“ Armenien, ein Land, das als Wiege des Christentums gilt und heute dennoch für viele so gut wie unbekannt ist. Dieses kleine Land im…

Rumänischer Generationsroman: „Null Komma Irgendwas“ von Lavinia Braniște

Sie ist jung und frei – oder könnte es sein: In dem Roman „Null Komma Irgendwas“ (mikrotext) der rumänischen Autorin Lavinia Braniște kämpft die Protagonistin Cristina mit den Herausforderungen des Erwachsenseins. Aus einer Kleinstadt kommend arbeitet sie in Bukarest als Assistentin und Übersetzerin in einer Baufirma und hängt in einer unsicheren Fernbeziehung fest. Die Chefin…

Rumäniens moderner Klassiker: “Handbuch der Zeiten” von Ștefan Agopian

Es gilt als moderner Klassiker Rumäniens: „Handbuch der Zeiten“ von Ștefan Agopian. Im Original erschien das Werk bereits 1984 in dessen Heimatland und durfte nun über 20 Jahre später auch in deutscher Übersetzung beim Verbrecher Verlag das Licht der Welt erblicken. Der Verlag lässt sich wohl hervorragend als laut, mal provokativ und mal sanft, mutig…

In den Westen: Catalin Dorian Florescus „Der Nabel der Welt“

„Der halbe Wohnblock ist ausgeflogen, lebt im Ausland, putzt österreichische Hintern, reinigt deutsche Zahnprothesen, erntet spanische Erdbeeren.“ Catalin Dorian Florescus „Der Nabel der Welt“ (C.H. Beck) versammelt 9 Erzählungen, die bereits in verschiedenen Anthologien veröffentlicht wurden. Fast alle tragen die Emigration – meist aus dem Osten in den Westen Europas – als Hauptthema und zeigen…

Schreckensort der Kindheit: “Das Phantom der Mühle” von Doina Ruşti

„Die Mühle blieb ein Schreckensort: Es gab alle möglichen Geschichten über DenMax, das Gespenst, auch noch nachdem wir ihn ausgegraben hatten.“ In Doina Ruştis Roman „Das Phantom in der Mühle“ (KLAK Verlag) findet die junge Adele in einer Buchhandlung das Buch ihres Lebens. Verwirrt und beeindruckt liest sie in den Kapiteln die Geschichte ihrer Vergangenheit,…