Armutsbilder: „Stromern“ von Andor Endre Gelléri

„Aber was soll man tun? Wer steht schon auf unserer Seite? Mein lieber Herr, schließlich sind wir nicht zur Welt gekommen, um Menschen zu sein.“ Menschen stromern umher, stromern durch Städte, Straßen und auch durch ihre eigenen Gedanken. So geht es auch den Protagonisten in den Kurzgeschichten Andor Endre Gelléris, nur, dass ihr Stromern oftmals…

Kateřina Tučková „Gerta, das deutsche Mädchen“

Immer mal wieder gibt es Bücher, deren Übersetzung ins Deutsche überfällig war. Der Roman „Gerta, das deutsche Mädchen“ von Kateřina Tučková ist einer davon. Bereits 2009 unter dem Titel „Vyhnání Gerty Schnirch“ [Die Vertreibung der Gerta Schnirch] erschienen, beschäftigt sich der Roman mit der Vertreibung der Deutschen aus Tschechien nach 1945 und ist pünktlich zur…

Zwei Wagenbach-Titel der Reihe SALTO

Wie bereits mehrmals auf Read Ost hingewiesen, war Georgien letztes Jahr als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse eingeladen. Vieles wurde zum georgischen literarischen Programm schon geschrieben und auf Read Ost haben wir bereits mehr als ein Dutzend Bücher über und aus Georgien vorgestellt. Der Berliner Wagenbach Verlag hat zum oben erwähnten Anlass in der berühmten…

Maarja Kangros „Kind aus Glas“

von Marina Büttner (literaturleuchtet) „Die Schmerzhaftigkeit des Lebensbeginns und meistens auch die des Endes zeigt schon an sich, dass die Welt als Ingenieursarbeit misslungen war.“ Maarja Kangros Roman „Kind aus Glas“ (Kommode Verlag) ist ein Roman zu einem höchst sensiblen Thema, das immer wieder von Schriftstellerinnen oder auch Filmemacherinnen bearbeitet wird. Es geht um die…

GABRIADSE. Der Malerpoet Georgiens

Reso Gabriadse zählt zu den einflussreichsten Künstlern Georgiens. Bekannt geworden ist er nicht nur durch seine Malereien, die in dem wunderbaren Band “GABRIADSE. Der Malerpoet Georgiens” aus dem Sieveking Verlag zu finden sind, sondern auch als Illustrator, Bildhauer, Drehbuchautor, Journalist, Kostüm- und Bühnenbildner. Seit 1981 leitet er außerdem das renommierte Puppentheater in Tbilissi. Die Publikation, die…

Frauen, Lemberg und eine Glasmalerei: Żanna Słoniowskas „Das Licht der Frauen“

von Natalia Staszczak-Prüfer Żanna Słoniowska wurde 1978 im Lemberg geboren und verbrachte dort 24 Jahre ihres Lebens. Heute wohnt sie in Krakau, wo sie mit der Spezialisierung auf die Ukraine als Übersetzerin und Journalistin arbeitet. In ihrem Haus wurde schon immer Polnisch, Ukrainisch und Russisch gesprochen und obwohl die Autorin nie eine polnische Schule besuchte,…

Ein Tag in Tbilissi: „Der Südelefant“ von Archil Kikodze

„Der Südelefant“ von Archil Kikodze (Ullstein) ist ein Kaleidoskop verschiedenster Erinnerungen und Lebensweisen. Als der namenlose Ich-Erzähler für einen alten Freund für einen Tag seine Wohnung verlässt, streift er durch die Straßen der georgischen Hauptstadt. Hier liegen zahlreiche Erinnerungen an Freundschaften und Familienmitglieder. Jede Straße hat eine Botschaft, jeder Platz lenkt ihn in die Vergangenheit….

Die Vergangenheit lässt nicht los: „Kronos Kinder“ von Sergej Lebedew

„Denn der Deutsche war ja nicht nur der Feind […], er war ein nahestehender Feind, fast ein Verwandter, und dabei doch anders, fremd.“ Es ist ein harmloser Ausflug auf den Deutschen Friedhof in Moskau: Wöchentlich begleitet Kirill seine Großmutter Lina zu den Gräbern ihrer russischstämmigen Verwandten. Doch an einem Tag führt sie ihn plötzlich zum…