Stadt und Land: „Erinnerung an den Wald“ und „Das Mundstück“

Die Gegenwartsliteratur beschäftigt sich immer mehr mit den Gegensätzen zwischen Stadt- und Landrealitäten. Die aktuellen Land- und Stadtromane schaffen teilweise unterschiedliche Lebenswelten, denen auf den ersten Blick nichts verbindet. Mit den folgenden zwei Rezensionen wollen wir euch zwei Titel vorstellen, die mit dem  Stadt-/Landmotiv spielen. von Annika Grützner Die Welt des Protagonisten von Damir Karakaš…

Wilder Ritt durch Zaporoschje: „Puschkins Erben“ von Svetlana Lavochkina

von Annika Grützner „Puschkin mit uns, Dickens mit denen!“ lautet der Leitspruch der Einwohner des ukrainischen Zaporoschjes. Durch jenes verschlafene Dorf reiste Puschkin angeblich im Jahr 1820 auf dem Weg in seine Verbannung, verlor hier einen wertvollen Ring und schwängerte die Frau eines Gastwirtes. 150 Jahre später springen wir in die Zeit des Kalten Krieges…

Oleg Senzow ist frei!!! Wir lesen seine Geschichten

Oleg Senzow ist ein ukrainischer Filmemacher und Autor und seit 2014 bis vor Kurzem in russischer Haft wegen der angeblichen Planung von terroristischen Handlungen. Senzow, der sich bei der Maidanbewegung sehr aktiv engagiert hat, sagte zu Beginn seines Prozesses: „Der Maidan war das Wichtigste, was ich in meinem Leben geleistet habe“. Seit Jahren führten seine…

„Blauwal der Erinnerung“ von Tanja Maljartschuk

„Und in einem dieser Augenblicke, als mich eine tiefe Leere quälte, begann ich plötzlich über die Zeit nachzudenken wie über etwas, das eine Kette sinnloser Ereignisse miteinander verbindet, und darüber, dass der Sinn nur in der Aufeinanderfolge dieser Ereignisse liegt und dass weder Gott noch die Liebe noch die Schönheit noch die Größe des Verstands unsere Welt bestimmen, sondern…

Kurzgeschichten & Reportagen kurz vorgestellt

Refugees Worldwide: Literarische Reportagen Der 2017 im Wagenbach Verlag erschienene Reportagenband versammelt 14 literarische Reportagen aus 13 Ländern. Die AutorInnen nähern sich in diesem literarisch-journalistischen Genre den Themen wie Flucht, Krieg, Exil und Identität aus unterschiedlichen Perspektiven an. Jede Fluchtgeschichte ist eine individuelle Geschichte mit den individuellen Fluchtursachen, Schicksalen und Zukunftsperspektiven. Neben Nora Bossongs Text…

„Als flöge ein kleiner Vogel davon“: Marjana Gaponenko – „Annuschka Blume“

Die aus Odessa stammende deutschsprachige Autorin Marjana Gaponenko hat mittlerweile ihren dritten Roman mit dem Titel „Das letzte Rennen“ (C. H. Beck Verlag) veröffentlicht und wird im Feuilleton breit besprochen. Diese Buchbesprechung konzentriert sich allerdings auf ihr erstes Romanprojekt „Annuschka Blume“ aus dem Jahr 2010, das im österreichischen Residenz Verlag erschienen ist. Gaponenko ist mit…

Wenn der Traum zum Albtraum wird: „Kukolka“ von Lana Lux

„Ich beneidete die anderen Mädchen […] nicht lange für ihr tolles früheres Leben mit Eltern, Schule, Freunden und einem Zuhause. Mir war nämlich klargeworden, dass ich die Einzige war, die das hier überleben konnte. Ich war nicht so eine gefallene Püppi. Ich war schon immer hier unten gewesen.“ Die Erkenntnis kommt spät, aber sie beschreibt…

Suizid als eine Art Familientradition: Natascha Wodin „Sie kam aus Mariupol“

Die literarische Tätigkeit der Autorin Natascha Wodin nimmt ihren Anfang in den 80er Jahren. 1983 ist ihr erster Roman „Die gläserne Stadt“ erschienen. Dann folgten zwar weitere Veröffentlichungen, doch die breite Leserschaft erreichte die Autorin erst mit ihrem aktuellen Roman „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt Verlag, 2017). Für dieses autobiografische Buch wurde sie dieses Jahr…