Zwei Schriftstellerinnen, zwei Geschichten, zwei Verfolgte

Zwei Schriftstellerinnen, ein Jahrhundert und zwei Geschichten geprägt von Verfolgung und dem Gefühl des Eingesperrt-Seins. Ljudmila Petruschewskaja beschreibt in „Das Mädchen aus dem Hotel Metropol“ die Anfänge ihres Lebens bis in die ersten Berufsjahre als Journalistin in Moskau, die Rumänin Kristiane Kondrat hingegen beschäftigt sich in ihrem Roman „Abstufung dreier Nuancen von Grau“ mit der…

Reise aus der Vergangenheit: „Luftgänger“ von Jewgeni Wodolaskin

In Jewgeni Wodolaskins „Luftgänger“ (Aufbau Verlag) erwacht ein Mann ohne Erinnerung in einem Krankenhaus, nicht einmal mehr sein Name fällt ihm ein. Stück für Stück kehren dann allerdings Szenen aus seiner Vergangenheit zurück. Es entstehen Bilder von der Russischen Revolution, von Verfolgung und dem Gefängnis, von dem Lager. Innokenti Platonow begreift schnell, dass er ein…

Zweimal Strugatzki: „Der Montag fängt am Samstag an“ und „Hotel zum verunglückten Bergsteiger“

von Annika Grützner Sie zählen zu den bedeutendsten und erfolgreichsten russischen Autoren der Nachkriegszeit: Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki haben mit ihren schrägen Geschichten Kultstatus erlangt. Mit „Der Montag fängt am Samstag an“ (Heyne) und „Hotel zum verunglückten Bergsteiger“ (Golkonda Verlag) sind zwei Neuauflagen auf dem Buchmarkt veröffentlicht worden, Letztere sogar erstmals auf Deutsch,…

Abgebrochen: „Sumerki“ von Dmitry Glukhovsky

von Annika Grützner Bereits im letzten Jahr haben wir euch einen der wichtigsten zeitgenössischen russischen Autoren in einem Interview vorgestellt: Dmitry Glukhovsky. Der in Moskau und in Barcelona lebende Autor hat sich mit seiner Metro-Reihe einen festen Platz in der dystopischen Literaturwelt geschaffen und begeistert jedes Jahr Millionen von Leserinnen und Leser. Mit „Sumerki“ hat…

Begehrte Ware: „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ von Vladimir Sorokin

Der russische Autor Vladimir Sorokin („Telluria“, „Der Schneesturm“ u. a.) steht für groteske Geschichten, die man nicht so schnell vergisst. Im Verlag Kiepenhauer & Witsch ist nun sein neuestes Werk „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ in deutscher Übersetzung erschienen und steht seinen literarischen Vorgängern in nichts nach. von Annika Grützner In Sorokins Zukunft hat die Welt aufgehört,…

Reihenvorstellung: Die Manesse Bibliothek / “Das Adelsgut” von Iwan Turgenjew

Klassiker lesen? Viele verbinden damit wahrscheinlich lange Schulstunden mit abgefledderten, alten Büchereiausgaben, die nicht unbedingt zum Lesen animierten. Die Manesse Bibliothek verpackt die Geschichten in ein kompaktes, kleineres Taschenformat als Hardcover mit individuellem Design und verleiht so den lesenswerten Bänden ein neues Ich. Seit Start der Reihe im Oktober 2017 sind mittlerweile 15 Ausgaben erschienen…

Die Vergangenheit lässt nicht los: „Kronos Kinder“ von Sergej Lebedew

„Denn der Deutsche war ja nicht nur der Feind […], er war ein nahestehender Feind, fast ein Verwandter, und dabei doch anders, fremd.“ Es ist ein harmloser Ausflug auf den Deutschen Friedhof in Moskau: Wöchentlich begleitet Kirill seine Großmutter Lina zu den Gräbern ihrer russischstämmigen Verwandten. Doch an einem Tag führt sie ihn plötzlich zum…

Was geschah 1959? „Die Toten vom Djatlow-Pass“ von Aleksej Rakitin

Es ist eines der letzten Geheimnisse des Kalten Krieges: 1959 werden die Leichen von neun Wanderern im Ural gefunden. Die fehlerhaften Ermittlungen führen zu einer Lösung: Tod durch Erfrieren. Doch Vieles spricht dagegen. In „Die Toten vom Djatlow-Pass“ (btb) beschreibt Aleksej Rakitin (Pseudonym) minutiös die Brisanz des Falles, der selbst 70 Jahre später noch viele…

„In Russland ist eine regelrechte Gefängniskultur entstanden.“ – Interview mit Dmitry Glukhovsky

Dmitry Glukhovsky ist einer der erfolgreichsten Autoren Russlands, dessen Romane weltweit zu Bestsellern wurden. Nach seiner postapokalyptischen „Metro“-Reihe, dem dystopischen „Future“ oder dem fantastischen „Sumerki“ wurde sein neuester Titel „Text“ nun in deutscher Übersetzung im Europa Verlag veröffentlicht. Mit „Text“ legt Glukhovsky einen politischen Thriller als Abrechnung mit Putins Russland vor. Wir durften den Autor…

Sergej Luk’janenko und ich: Eine Liebeserklärung

Wenn ich mir mein Bücherregal anschaue, ist die Farbgebung der Romane und Sachbücher oft heller, nur ein Brett ist mit durchgehend dunklen Buchrücken gefüllt. Hier finden sich fast sämtliche Romane einer der erfolgreichsten russischen Autoren der Gegenwart – Sergej Lukianenko, dessen Wächterreihe längst Kult ist (sowohl die Bücher als auch die Verfilmungen). Der Erzählkosmos des…