Protokoll eines Lebens: “Späte Gegend” von Lida Winiewicz

“Späte Gegend – so heißt bei uns die, wo ich her bin. Weil alles später reift. Wenn überhaupt: Manches reift gar nicht.” “Späte Gegend” ist die Erzählung einer, wohl zum Glück, größtenteils vergangenen Welt. In dem Roman beschreibt die österreichische Autorin Lida Winiewicz das Leben einer namenlosen Frau, die, vor dem Ersten Weltkrieg geboren, auf…

“Von alten Herzen und Schwertern” von Aka Mortschiladse

“In den alten Tagen passierte derlei viel öfter. Sehr oft sogar. Es sollte genügen, zu sagen, dass es immer um Liebe ging, so wie bei allem anderen auch.” Aka Mortschiladse (1966 in Tbilissi geboren) zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen seinen Landes, der in seinen Romanen immer wieder die Vergangenheit in den Fokus rückt, in…

Iwan Bunins Erzählungen: “Leichter Atem” und “Ein Herr aus San Francisco”

Iwan Bunin erhielt als erster russischer Schriftsteller 1933 den Nobelpreis für Literatur. 1870 in Woronesch geboren, emigrierte er 1920 nach Paris, wo er 1953 starb. Sein Werk umfasst zahlreiche Novellen und Kurzgeschichten, ein Revolutionstagebuch sowie Reisebeschreibungen. Der Dörlemann Verlag veröffentlicht diese in hochwertiger Aufmachung und setzt dem Autor so erneut ein literarisches Denkmal. 2003 startete…

Kein stilles Buch – „Straumēni“ von Edvarts Virza

Mit Straumēni von Edvarts Virza veröffentlicht der Guggolz Verlag Berthold Forssmans deutsche Übersetzung eines lettischen Klassikers aus dem Jahr 1933, der den Alltag auf einem ländlichen Gutshof im Verlauf eines Jahres nachzeichnet. Wer sich auf die Ruhe des vormodernen Landlebens einlässt, den erwarten nicht nur leise Töne.  von Christiane Schäfer Den Inhalt von Edvarts Virzas ‚Prosapoem‘…

Ein Lebensalphabet in Miniaturen: “Mein Alphabet” von Ilma Rakusa

Ehrlich, gefühlvoll, konkret, gebildet, kurzweilig, tiefgehend – so vielseitig und facettenreich ließe sich Ilma Rakusas „Mein Alphabet“ (Literaturverlag Droschl) beschreiben. In ihrem Band führt sie unter jedem Buchstaben des Alphabets Begriffe auf, die ihr Leben ausgemacht haben oder stets ausmachen – beginnend mit A wie „anders“, über L wie „Licht“ und O wie „Osten“ bis…

Literarische Weihnachtstipps

Die Feiertage rücken näher und auch in diesem Jahr möchten wir euch ein paar Tipps für Kurzentschlossene präsentieren. Los geht es! „Budapest verstehen zu wollen, ist ein lebenslanger Prozess angesichts einer faszinierenden, geradezu wilden Fülle an Merkwürdigkeiten im doppelten Sinn.“ Nachdem ich 2014 ein halbes Jahr als Erasmusstudentin in Budapest lebte, mache ich einen großen…

Ein Leben voller Hoffnung: “Rote Kreuze” von Sasha Filipenko

„Es gibt zahlreiche Beispiele von Menschen, die sich im Namen einer höheren Macht aufopfern, eines höheren Ideals, eines höheren Guts. […] Insofern ist die Fähigkeit eines Menschen, ein Kreuz zu tragen, nichts anderes als der Ausdruck seiner inneren Kraft.“ „Rote Kreuze“ ist das literarische Debüt des belarussischen Autors Sasha Filipenko und der erste von insgesamt…

Willkommen in der homophoben Hölle!

Welcome to Chechnya (USA, 2020) dokumentiert die systematische und brutale Verfolgung von LGBTQI+ in Tschetschenien. Regisseur David France legt einen oppulenten Dokumentarfilm vor, der phasenweise wie ein Action-Thriller daherkommt. Wird das dem Thema gerecht?  von Friedemann Schwenzer Seit 2017 werden in Tschetschenien LGBTQI+ systematisch verfolgt, gefoltert und umgebracht. Ramsam Kadyrow regiert mit grausamer Hand und…

„My Work Is My Personal Theatre“: Katerina Belkina

„Ich bin eine Schauspielerin, die nicht von sich selbst erzählt, sondern ihren Körper und den Moment der Verwandlung nutzt, um dem Publikum eine bestimmte universelle Vorstellung vom Menschen zu vermitteln. In meiner Arbeit kommen zwei Eigenschaften zusammen — ich bin sowohl bildende Künstlerin als auch Schauspielerin. Das größte Rätsel für mich ist es herauszufinden, wer…

Ernste Kurzgeschichten: “Alle Gesichter des Todes” von Petre M. Andreevski

Der Guggolz Verlag steht für hochwertige Literatur in liebevoller Gestaltung – und für viele literarische (Wieder-) Entdeckungen aus ganz Europa. Schon mehrmals haben wir euch den Verlag mit seinen Neuerscheinungen vorgestellt und empfohlen. Nun geht es mit “Alle Gesichter des Todes” in die “zweite Runde” für den 2016 verstorbenen mazedonischen Schriftsteller Petre M. Andreevski, der…