Jugend in Litauen: “Die Chroniken des Südviertels” von Rimantas Kmita

von Annika Grützner Šiauliai im Norden Litauens in den 90ern: Hier verbringt Rimantas seine Jugend, spielt Rugby, schmuggelt Brot, Poster und Schmuck über die Grenze nach Hause und macht die ersten sexuellen Erfahrungen. In seinem Debütoman “Die Chroniken des Südviertels” (Mitteldeutscher Verlag, übersetzt von Markus Roduner) setzt der litauische Autor und Kritiker Rimantas Kmita seiner…

Filmfestivals zwischen Online-Angebot und Verschiebung

Das Kino lebt von der gemeinschaftlichen Erfahrung, doch volle Kinosäle sind in Zeiten von Corona ein Wunschgedanke. Was also tun bei einem Festival, das zwar vor allem den Film feiert, aber gleichzeitig auch den Ort, an dem der Film lebt und zu seinen Zuschauern kommt: den Kinosaal? Zwei der wichtigen Filmfestivals für mittel- und osteuropäische…

Radka Denemarková – Ein Beitrag zur Geschichte der Freude

Wir leben in einer Zeit, in der patriarchale Muster, männliche Macht und Arroganz nicht nur viel zu präsent sind, sondern auch wieder zu erstarken scheinen. Ist es also Zeit für einen Neustart? In der Literatur steht die Schwalbe meist für einen Neuanfang – denn nicht umsonst kündigen sie uns den Frühling an. Bei Radka Denemarkovás…

Zagreb, 1941 bis 1991: “Familienroman” von Ivana Sajko

“Ich habe drei Jahre meines eigenen Lebens gebraucht, um jene fünfzig kurz zusammenzufassen, die mir scheinbar überhaupt nicht widerfahren sind.” Mit diesen Worten beginnt die kroatische Autorin Ivana Sajko ihr Buch “Familienroman: Die Ereignisse von 1941 bis 1991 und darüber hinaus” (Verlag Voland & Quist, übersetzt von Alida Bremer). Sprunghaft beschreibt sie darin in kurzen…

Nachbarschaft Tbilissi: “Sinka Mensch” von Anna Kordsaia-Samadaschwili

Anna Kordsaia-Samadaschwili zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen georgischen Autorinnen. Ihre Heimatstadt Tbilissi hat die Autorin, Übersetzerin und Kulturjournalistin in den Mittelpunkt ihres neuen Romans “Sinka Mensch” gemacht. Das Buch ist jetzt in einer Übersetzung von Sybilla Heinze in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen. “Du bist jung, Sinka. Die junge Sinka Mensch. Du wirst nicht verlorengehen. Solche…

Quarantäne-Lektüren: Neue osteuropäische Migrationsliteratur

Die Migrationsprosa kann als eine Anti-Corona-Literatur gelesen werden, da sie in der Regel von der Bewegung zwischen den Ländern, Kulturen und Sprachen handelt. In der deutschsprachigen und englischsprachigen Literatur gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten eine Literaturtradition, die migrierte und in die jeweilige Sprache „eingewanderte“ AutorInnen vereint. In den letzten zwei Jahren sind in deutscher…

Leben am Gleis: “Der Nulluhrzug” von Juri Buida

“Alles, was ich habe, ist hier. Und wenn dieses alles der Nuller ist und für den Nuller, dann ist alles, was ich habe, der Nuller. Egal, wie er ist. Empfangen und weiterleiten. Auf den Punkt.” Von Annika Grützner Stacheldraht, Wachhunde und die Aufgabe, den sogenannten Nulluhrzug ohne Probleme passieren zu lassen. Das ist der Alltag…

Quarantäne-Lektüren: Neue Kinderbücher aus dem NordSüd Verlag

Die mittel- und osteuropäische Kinderliteratur ist im deutschsprachigen Raum durch einige AutorInnen bekannt. Nicht weniger interessant sind die IllustratorInnen, die die Kinderbücher mit ihren einzigartigen Bildern und ihrer Ästhetik schmücken. Der Zürcher Verlag NordSüd hat zwei neue Titel herausgebracht, die durch ihre Illustrationen mit dem osteuropäischen Raum verbunden sind. von Irine Beridze Eine wunderbare und…

Ein Jahrhundert: “Die Leben der Elena Silber” von Alexander Osang

“Der Krieg spricht eine harte Sprache. Wenn er mit seiner eisernen Faust friedliche Wohnstätten zerschlägt, wenn rauchende Trümmer, heimatlos gewordene Frauen und Kinder schreckliche Anklage erheben, dann vernehmen wir die dröhnende Sprache des Krieges.” von Annika Grützner Jelena – Elena – Lena, mit jedem neuen Lebensabschnitt, jedem neuen Schicksalsschlag und jeder neuen Heimat verlor Elena…

Zweimal Kurzgeschichten von Florin Iaru und Ana Schnabl

Von Annika Grützner Mit der Erzählsammlung “Die grünen Brüste” veröffentlicht danubebooks erstmals Kurzgeschichten des rumänischen Autors Florin Iaru in deutscher Übersetzung  von Manuela Klenke. Diese very short storys zeigen, wie vielfältig das literarische Repertoire Iarus ist. Ein Mann, der so gut hört, dass er selbst den Ehebruch der Frau seines Chefs nur durch das bloße Lauschen…