Ein Künstlerleben: „Die Stadt“ von Walerjan Pidmohylnyi

“Kyjiw! Das war die große Stadt, in der er studieren und leben würde. Das war das Neue, in das er eintauchen wollte, um seine langgehegten Träume zu verwirklichen.” Im Kyjiw der 20er Jahre versucht der junge Dörfler Stepan, sein Glück zu finden: Er will die Universität besuchen und seine Erfahrungen nutzen, um in seiner Heimat…

(Fiktive) Welt am Abgrund: „Outpost – Der Posten“ von Dmitry Glukhovsky

Klimakatastrophe, Krieg, Corona: Die Welt, wie wir sie aktuell erleben müssen, fühlt sich an, wie eine Entrückung, als würden wir am Rande eines Abgrunds balancieren. In dieser Zeit zu einem Buch zu greifen, was einen Schritt weitergeht, was nach dem Zerfall der modernen Gesellschaft spielt, ist fast schon makaber. Sich aus einer irrealen Welt in…

Von Ungarn in Deutschland: “Hotel Budapest, Berlin …” von Thomas Sparr

1918, 1944, 1956, 1989: Vier Schicksalsjahre des ungarischen Jahrhunderts. Vier Jahre, an denen der Literaturwissenschaftler Thomas Sparr die kulturellen Beziehungen der Ungarn in Deutschland und der Deutschen in Ungarn mitsamt ihren Auswirkungen beschreibt. So erfahren wir als Leser seines Buchs „Hotel Budapest, Berlin …“ (Berenberg Verlag) vom Austausch der wichtigsten Vertreter der deutschen und ungarischen…

Looking for myself: Spielfilmdebüt „Looking for Venera“ von Norika Sefa

Wie weit kommt man als junge Frau in einem post-kriegerischen patriarchalen Land auf der Suche nach dem wahren Ich? Diese Frage stellt die kosovarische Regisseurin Norika Sefa in ihrem „coming-of-age“ – Spielfilmdebüt „Looking for Venera“ (Nё kёrkim tё Venerёs, 2021). „Ich habe meine Eltern nie beim Küssen gesehen“, – sagt Venera zu ihrer besten Freundin…

MIROVIA, LITIOTOPIA und UKRAJINA: Interview mit dem Autor Poljak Wlassowetz

Poljak Wlassowetz kann man wohl ohne Zweifel als Kosmopoliten bezeichnen. In Deutschland mit ukrainischen Wurzeln geboren, verschlug es den in Berlin lebenden Autor und Politologen in zahlreichen Reisen nach Südamerika. Im Literaturverlag Kopf & Kragen ist nun sein zweiter Roman „LITIOTOPIA“ erschienen. Wir haben mit ihm über seine Bücher und Pläne gesprochen. Herr Wlassowetz, in…

Paradoxe Geschichte eines Kapitäns ohne Schiff, Flotte und bald auch ohne Hafen

Das Alte muss dem Neuen weichen. Einer der wichtigsten sowjetischen Häfen in der kirgisischen Stadt Balykčy wird niedergerissen. An seiner Stelle entsteht moderner Kurort mit Freizeitpark. Jedoch: Sind alle Bewohner_innen der Stadt mit diesem Wandel einverstanden? Allen voran – die treueste Seele des Hafens – ein ehemaliger Admiral? von Natalia Sobczuk Der Dokumentarfilm „Admiral Tchumakov“…

Über das Blond der Sonne

von Daniel Katscher In seinem jüngsten, bisher umfangreichsten Roman Nepobedimoe Solnce schickt Viktor Pelevin eine Blondine auf die Suche nach dem Geheimnis aller Existenz. Neben antiker Mystik und der Frage nach dem Göttlichen betrachtet er nicht zuletzt auch herrschende Strukturen kritisch und setzt ganz nebenbei ein Zeichen für Toleranz.      Viktor Pelevins 2020 erschienener Roman Nepobedimoe…

Aus der Familie in eine Sekte und zurück. Aleksej Poljarinovs Roman „Riff“

von Darya Shevchuk Aleksej Poljarinov, laut dem Esquire-Projekt einer der jungen und erfolgreichen „12 Apostel“, veröffentlichte im Oktober 2020 seinen neuen Roman „Riff“ [Rif]. Es handelt sich um sein viertes Buch, das auf den Sammelband „Fast zwei Kilogramm Wörter“ [Počti dva kilogramma slov] (2019) und die Romane „Landschaft mit dem Sturz des Ikarus“ [Pejzaž s…

(Post-)Sozialistische und postmemoriale Werkstatt: “Die Teufelswerkstatt” von Jáchym Topol

von Amanda Beser Jáchym Topols Roman Die Teufelswerkstatt (Suhrkamp) lässt sich als (post-)sozialistische und postmemoriale Werkstatt lesen, die mit dem neoavantgardistischen Bruch bricht. Sie ist auch eine Erzählwerkstatt, die erstaunlich ökonomisch und produktiv die Frage nach dem „Wer spricht?“ löst. In dem phantasmatischen Gedenkstätten-Thriller finden sich keine Anführungsstriche bei direkt gesprochener Rede. Und Nietzsches Frage…