Gut gefaked: “Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler” von Georges Manolescu

Er stahl, betrug und kam immer wieder damit davon: In “Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler” (Manesse Verlag) schreibt der Hochstapler Fürst Lahovary bzw. Georges Manolescu von seinem Leben, seinen Lügen und seinen Lastern. Die Übersetzung dieser ganz besonderen Biografie stammt aus dem Französischen von Paul Langenscheidt.

Es liest sich alles zu einfach, um wahr zu sein: 1871 in Rumänien geboren, verlässt Georges Manolescu mit 16 die Marineschule, um als blinder Passagier auf einem Schiff in Konstantinopel zu landen, wo er sich mit Diebstählen und einem kleinen Krämerladen über Wasser hält. Das ist der Beginn für eine wohl beispiellose Karriere in der Welt der Reichen und Schönen, die Vorlage für Thomas Manns “Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” war. Ob Chicago, Paris oder London, schnell machte sich Manolescu als angeblicher Adliger mit großen finanziellen Mitteln einen Namen, und das sogar so gut, dass reiche Familien ihm ihre Töchter zur Ehe anboten. Wahrlich skrupellos, aber auch intelligent, nutzt er die Gelegenheiten, an Geld zu kommen und seinen Ruf als Gentleman und Mann von Welt zu festigen. Der angebliche Fürst agiert sogar so dreist, dass seine Biografie als Text der Täuschung zu Lebzeiten erscheint und zu einem riesigen Erfolg wird. Es erscheint fast so, als würde in Manolescus Händen alles zu Gold werden oder zumindest stärker glänzen als alles andere.

“Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler” ist unterhaltsam und überrascht, dennoch kann die scheinbare Leichtigkeit, wie dem Fürsten alles gelingt, nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit einem narzisstischen Verbrecher zu tun haben, der zu seinem eigenen Vorteil lügt, stiehlt und betrügt und wenig daraus lernt. Den Memoiren fehlt es dadurch an Reue und Empathie anderen gegenüber, was man dieser gewählten Inszenierung der Persönlichkeit nur schwer vorwerfen kann, wodurch der Lesespaß aber dennoch gemindert wird. Allen voran steht dabei natürlich die Frage, wie sehr die Geschichte beim Lesen Spaß machen soll. Ist es nicht viel mehr eine Warnung? Ein Armutszeugnis? Es ist wohl vieles. Man will nicht hinsehen, kann gleichzeitig aber auch nicht wegschauen und so gerät man als lesende Person ebenfalls in die Fänge des Hochstaplers, der seine Erlebnisse und Errungenschaften und kurzen, sachlichen Passagen widergibt.

  • Herausgeber : Manesse Verlag (12. Oktober 2020), 24 € (D)
  • Gebundene Ausgabe : 448 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3717525141

von Annika Grützner

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