(Post-)Sozialistische und postmemoriale Werkstatt: “Die Teufelswerkstatt” von Jáchym Topol

von Amanda Beser Jáchym Topols Roman Die Teufelswerkstatt (Suhrkamp) lässt sich als (post-)sozialistische und postmemoriale Werkstatt lesen, die mit dem neoavantgardistischen Bruch bricht. Sie ist auch eine Erzählwerkstatt, die erstaunlich ökonomisch und produktiv die Frage nach dem „Wer spricht?“ löst. In dem phantasmatischen Gedenkstätten-Thriller finden sich keine Anführungsstriche bei direkt gesprochener Rede. Und Nietzsches Frage…

Queerer Roman:„Im Wasser sind wir schwerelos“ von Tomasz Jedrowski

von Natalia Prüfer Ich habe mich sehr gewundert, als ich in einem deutschen Radiosender hörte, dass Tomasz Jedrowski ein polnischer Schriftsteller sei. Sein Name, obwohl er polnisch klingt, war mir fremd. Dann las ich seinen Lebenslauf und seinen Debütroman „Im Wasser sind wir schwerelos“ (Hoffmann & Campe). Tomasz Jedrowski wurde als Kind polnischer Eltern in…

Eine Stereotypmaschinerie der „russischen Seele“

Die „russische Seele“ – wie viel Pathos, welche literarischen Tiefen und vielleicht sogar imperialen Traumlandschaften schwingen mit in dieser Worthülse? Zugegeben kann der Titel „Handwörterbuch der russischen Seele“ von Alexander Estis Irritationen auslösen, allerdings womöglich gewünscht. Die Befremdung beginnt bei der zu hinterfragenden Konstruktion einer pauschalisierten nationalen Seele und wird bei der formalen Kategorie des…

Kurzvorstellung|Kindheit und Jugend in der zerfallenden UdSSR: “Camel Travel” von Volha Hapeyeva

Das kleine Buch “Camel Travel” von Volha Hapeyeva (erschienen im Literaturverlag Droschl, in einer Übersetzung von Thomas Weiler) versammelt literarische Erinnerungen an die Kindheit und Jugend der Autorin. 1982 in Minsk geboren, schreibt Hapeyeva in kurzen Szenen über das Aufwachsen in der zerfallenden UdSSR, über prägende und tragische Momente. Es geht um ihre Schulzeit, um…

Liebesgeschichten von Tschingis Aitmatow

Drei ungewöhnliche Liebesgeschichten hat der Züricher Unionsverlag gesammelt herausgegeben. Es handelt sich dabei um besondere Erzählungen von Liebeserfahrungen aus der Feder Aitmatows. Die bekannteste von ihnen, Dshamilja, und Mitbegründerin des Aitmatow‘schen literarischen Renommees, ist ebenso aufgeführt, wie die herzzerreißenden Du meine Pappel im roten Kopftuch und Aug in Auge. Auch wenn es nicht an einem…

Zwei Kurzgeschichtenbände: “Gesammelte Scherben” und “Wenn du ankommst, ruf mich an”

Kristin Dimitrova gehört zu den wichtigen zeitgenössischen Stimmen des literarischen Bulgariens. Trotz ihrer Bekanntheit in ihrem Heimatland, ist sie im deutschsprachigen Raum bisher eher unentdeckt geblieben. Erst im November 2020 erschienen ausgewählte Kurzgeschichten als “Wenn du ankommst, ruf mich an” im Schweizer Indieverlag INK press. Übersetzt wurden diese von Viktoria Dimitrova Popova, zu jeder Geschichte…

Spiel um Macht: “Revolution” von Viktor Martinowitsch

“Also (Trommelwirbel), ich heiße Michail Alexejewitsch German, und ich werde euch erzählen, was Macht ist.” Revolution: Sturz der Mächtigen, eine Veränderung der Machtverhältnisse, oft mit Gewalt und Leid verbunden. Viktor Martinowitschs gleichnamiger Roman, bei Voland & Quist in einer Übersetzung von Thomas Weiler erschienen, versetzt uns in ein düsteres Moskau, das marionettenartig vom sogenannten Pantheon…

Eine Graphic Novel aus Litauen – „Sibiro Haiku“

Der schweizerische Verlag Baobab Books erfreut uns immer wieder mit toller Kinderliteratur aus Mittel- und Osteuropa. Dieses Mal durften wir allerdings eine ganz besondere Graphic Novel-Geschichte aus Litauen lesen und rezensieren – „Sibiro Haiku“ von Jurga Vilė (Text) und Lina Itagaki (Illustration) erzählt im Text und Bild eine bewegende Geschichte des Jungen Algis, der mit…