Exil in der Heimat — ukrainisches Nachkriegstrauma in Atlantis

Der Spielfilm Atlantis (2019) von dem ukrainischen Regisseur Valentyn Vasyanovych gewinnt auf dem 76. Internationalen Filmfestival von Venedig den Hauptpreis der Sektion Orizzonti als Bester Spielfilm. Der Tag der Auszeichnung ist zufällig der, an dem ein anderer ukrainischer Filmregisseur – Oleg Sentsov – im Rahmen eines Gefangenenaustauschs aus russischer Haft entlassen wird. Der Filmtitel Atlantis lässt…

Zu Besuch in Untermond: „Metzgerei Kennedy“ von Radu Țuculescu

von Annika Grützner Die neue „Metzgerei Kennedy“ in der Kleinstadt Untermond steht im gleichnamigen Roman (erschienen im mitteldeutschen verlag in einer Übersetzung von Peter Groth) des rumänischen Autors Radu Țuculescu kurz vor der Eröffnung. Drei Tage lang folgen wir als Lesende der Erzählung rund um die Stadt bei Klausenburg/Cluj-Napoca und ihren illustren Bewohnern. Viel gibt es…

Transformation und Pubertät: „Die Untermieterin“ von Wioletta Greg

von Natalia Prüfer Wioletta Greg (polnischer Name Grzegorzewska) beschreibt sich selbst als Mutter, Schriftstellerin und Emigrantin. Seit 2006 wohnt sie nicht mehr in Polen, sondern in Großbritannien und stand hier mit ihrem Roman „Unreife Früchte“ (C.H. Beck) auf der Man Booker International Longlist 2017. Der neue Roman „Die Untermieterin“ ist eine Fortsetzung der Geschichte um die…

Vom Fährtenlesen der Momente – Vladimíra Valová über das Wesen der Kurzgeschichte

Vladimíra Valová wurde 1978 in Třebíč, der Tschechischen Republik, geboren und arbeitet dort als Buchhändlerin. Ab 2009 schrieb sie Kurzgeschichten, von denen einige im Host-Magazin veröffentlicht wurden und arbeitete als Redakteurin einer Regionalzeitung. Im Jahr 2017 veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichtensammlung, die 2018 unter dem Titel „Ins Landesinnere“ von Christina Frankenberg übersetzt wurde, und in der…

Dreimal btb-Taschenbuch: „Mova“ von Viktor Martinowitsch, „Italienische Stunden“ von Marina Stepnowa und „Balkan Blues“ von Elvira Mujčić

von Annika Grützner Bücher versetzen uns in fremde Welten. Der weißrussische Autor Viktor Martinowitsch nimmt diese Aussage in seinem dystopischen Roman „Mova“ so ernst, wie es nur geht, und lässt die Menschen in seiner Geschichte durch die sogenannten Mova-Texte high werden. Der Inhalt dieser Briefe ist gleichgültig, immer geht es darum, durch das Lesen in…

Das Lob des intimen Kenners: László Földéniy und die Melancholie

László Földéniys „Lob der Melancholie“ (Matthes & Seitz) ist eine verschriftlichte Quintessenz menschlicher Auseinandersetzungsstrategien über die eigenen unüberwindbaren Existenzgrenzen, die zwischen einem liebevollen Portrait und einem persönlichen Reiseführer changiert. von Amanda Beser László Földéniy ist nicht nur ein enthusiastischer Kulturtheoretiker, sondern auch ein neugieriger Weltenbummler. Die ‚Rätsel dieser Erde‘ führten ihn zur Melancholie. In seinem neu…

Oleg Senzow ist frei!!! Wir lesen seine Geschichten

Oleg Senzow ist ein ukrainischer Filmemacher und Autor und seit 2014 bis vor Kurzem in russischer Haft wegen der angeblichen Planung von terroristischen Handlungen. Senzow, der sich bei der Maidanbewegung sehr aktiv engagiert hat, sagte zu Beginn seines Prozesses: „Der Maidan war das Wichtigste, was ich in meinem Leben geleistet habe“. Seit Jahren führten seine…