Deutsch-tschechische Corona-Geschichten

Covid-19 fühlt sich mit der Zeit wie ein Traum an, der schleppend aber unabwendbar Wirklichkeit geworden ist. Der genaue Zeitpunkt, an dem das passiert ist, lässt sich kaum benennen. War es, als wieder freudige Diskussionen über das Wort Quarantäne auftauchten (Aussprache mit „k“ oder „kw“), als wieder erste Urlaube geplant wurden, oder als wir wieder…

“Heute ist Mittwoch” von David Albahari

“Wir befinden uns ständig am Rand, am Ende von Etwas, das einem Anfang ähnlich war und uns dann ohne Hinweis auf unser weiteres Leben im Stich ließ.” David Albahari zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren Serbiens und erhielt für seine Werke zahlreiche renommierte Literaturpreise. Mit “Heute ist Mittwoch” (erschienen bei Schöffling & Co. in einer…

Ein Leben in der gewählten Einsamkeit: “Wolgakinder” von Gusel Jachina

Der russischsprachigen Autorin Gusel Jachina gelang mit ihrem Debüt “Suleika öffnet die Augen” (Aufbau Verlag) über eine junge Frau, die in den 30er-Jahren nach Sibirien deportiert wird, ein Welterfolg. Ihr zweiter Roman “Wolgakinder” (Aufbau Verlag) versetzt die Leserinnen und Leser noch ein Stück weiter zurück in die Vergangenheit der Deutsch-Russischen Geschichte. 1916 führt der Schulmeister…

„LARA. Die wahre Geschichte hinter DOKTOR SCHIWAGO“

Anna Pasternaks Liebeschronologie „Lara. Die wahre Geschichte hinter Doktor Schiwago.“, erschienen im Münchener btb Verlag,  liest sich als Familien_Reflexion. Als Entmystifizierung eines Heldenepos, dem ihr berühmter Großonkel Boris Pasternak in seiner privaten Ambiguität voransteht. Als  Teil_Dokument einer Liebe zwischen Juri und seiner Lara erhebt das Erinnern auf den Spuren des berühmten Verwandten den Anspruch ‚Die…

Ein Jahrhundert Geschichte: Erinnerungen und Biografien

Der Zweite Weltkrieg, die Zeit des Eisernen Vorhangs und zunehmende Globalisierung mit dem Zerfall alter Strukturen sind wiederkehrende Elemente in vielen Texten europäischer SchriftstellerInnen. In diesem Beitrag möchten wir euch drei aktuelle Werke vorstellen, in denen sich ihre VerfasserInnen mit der Geschichte fiktiver und realer Figuren auseinandersetzen. von Annika Grützner Der 1966 in Sarajevo geborene…

Gedichte und Erzählungen von Lia Sturua und Zoltán Böszörményi

In diesem Beitrag möchten wir euch zwei Poeten vorstellen, deren Werke in der letzten Zeit erstmals in deutscher Übersetzung erschienen sind.  Die georgische Lyrikerin und Essayisten Lia Sturua (1939 in Tbilissi geboren) löste mit ihren ersten Publikationen in ihrer Heimat einen literarischen Skandal aus. Das konservative Georgien der 60er-Jahre reagierte mit Empörung auf die dichtende…

Ein Leben wie ein Film – „Ich trank Gift wie kachetischen Wein“ von Lana Gogoberidse

Ich trank Gift wie kachetischen Wein ist eine einzigartige und zutiefst persönliche Autobiografie der georgischen Regisseurin Lana Gogoberidse, die 2019 bei dem Mitteldeutschen Verlag in der Übersetzung von David Kakabadse erschienen ist. Das Buch ist eine vielfältige Erinnerung an das Schöne und das Traurige innerhalb eines totalitären Systems in der ehemaligen Sowjetunion. Die Geschichte wird mutig und…

Leben in der Renaissance: “Chronos erntet” von Mojca Kumerdej

“Der grausame, gefräßige Gott Chronos, der Kinder zeugt, um sie am Ende, mag es schnell oder langsam kommen, mit seinen Kiefern zu zermalmen, sie zu verschlingen oder auszuspucken.” von Annika Grützner Ich will ehrlich sein: Historische Romane sprechen mich nicht wirklich an. Das war wohl auch der Grund, wieso ich viel zu lange gewartet habe,…

Jugend in Litauen: “Die Chroniken des Südviertels” von Rimantas Kmita

von Annika Grützner Šiauliai im Norden Litauens in den 90ern: Hier verbringt Rimantas seine Jugend, spielt Rugby, schmuggelt Brot, Poster und Schmuck über die Grenze nach Hause und macht die ersten sexuellen Erfahrungen. In seinem Debütoman “Die Chroniken des Südviertels” (Mitteldeutscher Verlag, übersetzt von Markus Roduner) setzt der litauische Autor und Kritiker Rimantas Kmita seiner…

Filmfestivals zwischen Online-Angebot und Verschiebung

Das Kino lebt von der gemeinschaftlichen Erfahrung, doch volle Kinosäle sind in Zeiten von Corona ein Wunschgedanke. Was also tun bei einem Festival, das zwar vor allem den Film feiert, aber gleichzeitig auch den Ort, an dem der Film lebt und zu seinen Zuschauern kommt: den Kinosaal? Zwei der wichtigen Filmfestivals für mittel- und osteuropäische…