Estland als Spielball: Ilmar Taskas „Pobeda 1946“

Estland, 1946: Das Land ist besetzt, der Geheimdienst ist überall. Unwissentlich wird ein sechsjähriger Junge durch die Freundschaft zu einem Agenten in Ilmar Taskas „Pobeda 1946“ (Kommode Verlag) zum Spitzel seiner eigenen Familie. „Pobeda 1946“ schildert den Alltag einer Gesellschaft, die von Verrat und Misstrauen geprägt ist. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat Stalin das…

Armenische Erinnerungen: „Buch des Flüsterns“ von Varujan Vosganian

„Die Armenier, durch Massaker gegangen und Vertreibungen, das Zeichen der Heimatlosen tragend und eher gewohnt, sich unbemerkt durchzumogeln, im Flüsterton zu sprechen und bescheiden zu leben, hatten sich das laute Sprechen abgewöhnt.“ Armenien, ein Land, das als Wiege des Christentums gilt und heute dennoch für viele so gut wie unbekannt ist. Dieses kleine Land im…

Aufzeichnungen über zwei Leben im gemeinsamen Körper: „Einsame Schwestern“ von Ekaterine Togonidze

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn sich zwei Menschen von der Taille abwärts einen Körper teilen müssen und ihr ganzes Leben in dieser Verbundenheit miteinander verbringen? Der Roman „Einsame Schwestern“ (im Original „Asinkroni“) der georgischen Autorin Ekaterine Togonidze beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Die Protagonistinnen Lina und Diana sind siamesische Zwillinge. Gleich zu…

Europas Familie: “Ein Krokodil für Zagreb” von Marina Achenbach

In ihrem Romandebüt „Ein Krokodil für Zagreb“ (Edition Nautilus) verarbeitet die in Berlin lebende Autorin Marina Achenbachs ihre eigene Familiengeschichte und führt die Leser von Zagreb nach Berlin, von Bosnien nach Wien und München. Der Roman spannt dabei einen geschichtlichen Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zerfall Jugoslawiens mit der Belagerung Sarajevos. Im Mittelpunkt stehen…

Kat Kaufmann: „Die Nacht ist laut. Der Tag ist finster“

„Die Nacht ist laut, der Tag ist finster“, so lautet der Titel des zweiten Romans von Kat Kaufmann. Erschienen ist er bei Hoffmann und Campe Verlag/TEMPO Bücher in diesem Frühjahr. Mit ihrem Erstlingswerk „Superposition“ hat Kaufmann den aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt gewonnen. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist Kaufmann gleichzeitig auch Jazzsängerin-Schrägstich- Komponistin-Schrägstrich-Fotografin….

Schlüsselwerk der mazedonischen Literatur: “Quecke” von Petre M. Andreevski

„Unser Stamm ist eine Quecke […] keine Armee und keine Krankheit kann ihn ausmerzen. Die Quecke ist ein Unkraut […]. Zertritt sie nur, zerr an ihr, so viel du willst, reiß sie mitsamt den Wurzeln raus – sie stirbt doch nicht.“ Petre M. Andreevskis „Pirej“ erschien 1980 und ist mittlerweile eines der Schlüsselwerke der mazedonischen…

„Eichhörnchen hatten uns enttäuscht“ – Tijan Sila: Tierchen Unlimited

Krieg, Flucht und die bevorstehende Integration in einem fremden Land wie Deutschland sind die Themen des Debütromans „Tierchen Unlimited“ von Tijan Sila (Kiepenheuer & Witsch). Der Autor Sila kam wie der Held des Romans in Sarajevo zur Welt und wanderte mit seiner Familie 1994 nach Deutschland aus. Der Ich-Erzähler erzählt mit einer starken Stimme von seinem…

Science-Fiction trifft auf Historiendrama: “Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt” von Jaroslav Kalfař

Jaroslav Kalfařs Debütroman „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ (Tropen) ist die Geschichte des Astronauten Jakub Procházka, der als erster tschechischer Raumfahrer überhaupt für 8 Monate ins Weltall geschickt wird, um einen mysteriösen Nebel zu untersuchen. Doch noch bevor er diesen überhaupt erreicht, geht alles schief. Seine Frau Lenka ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden,…

Interview: Nadine Lashuk mit “Liebesgrüße aus Minsk”

Noch immer gibt es auch für uns Länder und Orte, von denen wir zwar schon gehört haben, zu denen uns aber leider das Hintergrundwissen fehlt. Eines dieser Länder ist Belarus. Zwischen Polen, der Ukraine, Litauen, Lettland und natürlich dem großen Nachbarn Russland liegt Belarus zwar scheinbar gar nicht so entfernt von unserem Standort Berlin, ist…