Frauen, Lemberg und eine Glasmalerei: Żanna Słoniowskas „Das Licht der Frauen“

von Natalia Staszczak-Prüfer Żanna Słoniowska wurde 1978 im Lemberg geboren und verbrachte dort 24 Jahre ihres Lebens. Heute wohnt sie in Krakau, wo sie mit der Spezialisierung auf die Ukraine als Übersetzerin und Journalistin arbeitet. In ihrem Haus wurde schon immer Polnisch, Ukrainisch und Russisch gesprochen und obwohl die Autorin nie eine polnische Schule besuchte,…

Ein Tag in Tbilissi: „Der Südelefant“ von Archil Kikodze

„Der Südelefant“ von Archil Kikodze (Ullstein) ist ein Kaleidoskop verschiedenster Erinnerungen und Lebensweisen. Als der namenlose Ich-Erzähler für einen alten Freund für einen Tag seine Wohnung verlässt, streift er durch die Straßen der georgischen Hauptstadt. Hier liegen zahlreiche Erinnerungen an Freundschaften und Familienmitglieder. Jede Straße hat eine Botschaft, jeder Platz lenkt ihn in die Vergangenheit….

Die Vergangenheit lässt nicht los: „Kronos Kinder“ von Sergej Lebedew

„Denn der Deutsche war ja nicht nur der Feind […], er war ein nahestehender Feind, fast ein Verwandter, und dabei doch anders, fremd.“ Es ist ein harmloser Ausflug auf den Deutschen Friedhof in Moskau: Wöchentlich begleitet Kirill seine Großmutter Lina zu den Gräbern ihrer russischstämmigen Verwandten. Doch an einem Tag führt sie ihn plötzlich zum…

Reise in die Vergangenheit: „Obolé“ von Aka Mortschiladse

„So ist das nun mal, erst kann ich ewig nicht herkommen, und wenn ich einmal da bin, will ich nicht wieder von hier weggehen.“ Aka Mortschiladses „Obolé“ (mitteldeutscher verlag) ist eine Reise in die Heimat. Als der in Tbilissi lebende Irakli die Nachricht erhält, dass das Dach seines leerstehenden Elternhauses droht, einzustürzen, reist er in seine…

Schicksale – drei Indies und Kurzgeschichten

Kosovo-Krieg: 24. März 1999, Einsatz der Nato: 1. Luftangriff, bis 12. Juni 1999, Pristina. Elvira Dones´ Roman „Kleiner sauberer Krieg“ (INK PRESS) ist ein einprägsames Schreckensbild zum Ende des letzten Jahrhunderts. In Pristina harren drei junge Frauen ohne Strom, ohne Wasser und ohne Telefon inmitten der umkämpften Stadt aus. Teile ihrer Familie und Freunde haben…

„Sänger in der Nacht“ von Olja Savičević

von Katharina Haase „Die Liebe ist das einzige wahrhaftige Spektakel, das sich anbietet, wenn man keinen Krieg mag.“ Pomela, Königin der kroatischen Seifenoper, bedroht von einem fortschreitenden Gedächtnisverlust, begibt sich auf die Suche nach ihrem ersten Mann Fink. In ihrem Cabriolet fährt sie durch das ehemalige Jugoslawien und begegnet unterwegs redseligen Taxifahrern, wahnsinnigen Großmüttern und…

Der Zerfall einer Familie: „Unter dem Feigenbaum“ von Goran Vojnović

„Aber noch bevor mich die süßen Erinnerungen an das Feigenpflücken überkamen, sah ich Großvater, wie er am nächsten Morgen, der nie kommen wird, wie ein Kind durch die breiten, mächtigen Äste des Feigenbaums steigt und mit seinen langen dürren Armen die unter den großen rauen Blättern versteckten Feigen pflückt.“ „Unter dem Feigenbaum“ von Goran Vojnović…

Estland als Spielball: Ilmar Taskas „Pobeda 1946“

Estland, 1946: Das Land ist besetzt, der Geheimdienst ist überall. Unwissentlich wird ein sechsjähriger Junge durch die Freundschaft zu einem Agenten in Ilmar Taskas „Pobeda 1946“ (Kommode Verlag) zum Spitzel seiner eigenen Familie. „Pobeda 1946“ schildert den Alltag einer Gesellschaft, die von Verrat und Misstrauen geprägt ist. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat Stalin das…

Armenische Erinnerungen: „Buch des Flüsterns“ von Varujan Vosganian

„Die Armenier, durch Massaker gegangen und Vertreibungen, das Zeichen der Heimatlosen tragend und eher gewohnt, sich unbemerkt durchzumogeln, im Flüsterton zu sprechen und bescheiden zu leben, hatten sich das laute Sprechen abgewöhnt.“ Armenien, ein Land, das als Wiege des Christentums gilt und heute dennoch für viele so gut wie unbekannt ist. Dieses kleine Land im…

Aufzeichnungen über zwei Leben im gemeinsamen Körper: „Einsame Schwestern“ von Ekaterine Togonidze

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn sich zwei Menschen von der Taille abwärts einen Körper teilen müssen und ihr ganzes Leben in dieser Verbundenheit miteinander verbringen? Der Roman „Einsame Schwestern“ (im Original „Asinkroni“) der georgischen Autorin Ekaterine Togonidze beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Die Protagonistinnen Lina und Diana sind siamesische Zwillinge. Gleich zu…