Rumänischer Generationsroman: „Null Komma Irgendwas“ von Lavinia Braniște

Cover-braniste-nullkommairgendwas-mikrotext_2017-webSie ist jung und frei – oder könnte es sein: In dem Roman „Null Komma Irgendwas“ (mikrotext) der rumänischen Autorin Lavinia Braniște kämpft die Protagonistin Cristina mit den Herausforderungen des Erwachsenseins. Aus einer Kleinstadt kommend arbeitet sie in Bukarest als Assistentin und Übersetzerin in einer Baufirma und hängt in einer unsicheren Fernbeziehung fest. Die Chefin nervt, die Freunde interessieren sich nicht richtig für sie und auch sonst scheint alles irgendwie schief zu gehen. Cristina plagen unerfüllte Ansprüche an ihre Zukunft. Allen voran steht der Wunsch, endlich anzukommen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, ohne unterzugehen: „Ich erlebe wahnsinnsgroße und lächerliche Ängste alleine zu Hause. […] Davor, dass ich sterbe und mich die Nachbarn finden, wenn ich anfange zu verwesen.“

Nach den Veröffentlichungen von zwei Kurzgeschichtensammlungen und drei Kinderbüchern präsentiert die 1982 in Rumänien geborene Lavinia Braniște mit ihrem ersten Erwachsenenroman eine Geschichte, die den Zeitgeist ihrer Generation aufzeigt. In der hektischen Welt der Globalisierung und des Kapitalismus ist es oftmals schwierig, sich als Individuum durchzusetzen. Cristina wünscht sich ein ruhiges Leben mit eigener Wohnung und einer Familie, doch dies scheint unerreichbar. Der Roman könnte auch in anderen Ländern spielen, zeigt er doch einen Alltag, wie er in anderen Städten tagtäglich gelebt wird. Nur hin und wieder nimmt die Autorin Bezug auf die Herkunft ihrer Figuren: „Geld zieht Geld an – und wir anderen haben die Armut in unserer DNA. Man braucht feine Instrumente, die man wahrscheinlich erst viele Generationen später entdecken wird, um die Armut da bei uns herauszuholen. Ich meine, wir kämpfen, um so zu bleiben und nicht noch tiefer zu rutschen.“

„Null Komma Irgendwas“ ist keine Erzählung, die mit überraschenden Wendungen und einer großen Spannungskurve aufwartet, viel mehr ist der Roman das Abbild von Normalität – immer mit einer Prise Humor. Die Autorin verliert sich nicht in erzwungenen und überspitzten Situationen. Cristina steht exemplarisch für viele junge Erwachsene in einem Rumänien, das sich wirtschaftlich noch nicht stabilisieren konnte. Mit Blick auf die westlichen Nachbarn wünschen viele sich den sozialen und beruflichen Aufstieg, doch einige bleiben dabei auf der Strecke. Ob auch Cristina ihren Weg findet, dass dürfen die Leser selber entscheiden.

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten, 21,99 € (D)
  • Verlag: mikrotext; Auflage: 1 (1. März 2018)
  • Übersetzung: Manuela Klenke
  • ISBN-13: 978-3944543604
  • Originaltitel: Interior Zero

Annika

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