(Post-)Sozialistische und postmemoriale Werkstatt: “Die Teufelswerkstatt” von Jáchym Topol

von Amanda Beser Jáchym Topols Roman Die Teufelswerkstatt (Suhrkamp) lässt sich als (post-)sozialistische und postmemoriale Werkstatt lesen, die mit dem neoavantgardistischen Bruch bricht. Sie ist auch eine Erzählwerkstatt, die erstaunlich ökonomisch und produktiv die Frage nach dem „Wer spricht?“ löst. In dem phantasmatischen Gedenkstätten-Thriller finden sich keine Anführungsstriche bei direkt gesprochener Rede. Und Nietzsches Frage…

“Von alten Herzen und Schwertern” von Aka Mortschiladse

“In den alten Tagen passierte derlei viel öfter. Sehr oft sogar. Es sollte genügen, zu sagen, dass es immer um Liebe ging, so wie bei allem anderen auch.” Aka Mortschiladse (1966 in Tbilissi geboren) zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen seinen Landes, der in seinen Romanen immer wieder die Vergangenheit in den Fokus rückt, in…

“Heute ist Mittwoch” von David Albahari

“Wir befinden uns ständig am Rand, am Ende von Etwas, das einem Anfang ähnlich war und uns dann ohne Hinweis auf unser weiteres Leben im Stich ließ.” David Albahari zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren Serbiens und erhielt für seine Werke zahlreiche renommierte Literaturpreise. Mit “Heute ist Mittwoch” (erschienen bei Schöffling & Co. in einer…

Leben am Gleis: “Der Nulluhrzug” von Juri Buida

“Alles, was ich habe, ist hier. Und wenn dieses alles der Nuller ist und für den Nuller, dann ist alles, was ich habe, der Nuller. Egal, wie er ist. Empfangen und weiterleiten. Auf den Punkt.” Von Annika Grützner Stacheldraht, Wachhunde und die Aufgabe, den sogenannten Nulluhrzug ohne Probleme passieren zu lassen. Das ist der Alltag…

Ein Jahrhundert: “Die Leben der Elena Silber” von Alexander Osang

“Der Krieg spricht eine harte Sprache. Wenn er mit seiner eisernen Faust friedliche Wohnstätten zerschlägt, wenn rauchende Trümmer, heimatlos gewordene Frauen und Kinder schreckliche Anklage erheben, dann vernehmen wir die dröhnende Sprache des Krieges.” von Annika Grützner Jelena – Elena – Lena, mit jedem neuen Lebensabschnitt, jedem neuen Schicksalsschlag und jeder neuen Heimat verlor Elena…

Zweimal Kurzgeschichten von Ismail Kadare und Jurica Pavičić

von Annika Grützner Ismail Kadare ist Albaniens berühmtester Autor – und ein „Dauerverdächtiger“ für den Nobelpreis. In seinen Erzählungen geht es um die Geschichte seiner Heimat. In einer präzisen Sprache gibt er dabei das Leben in den engen Steingassen der Gebirgssiedlungen wieder, die voller Leben sind. „Geboren aus Stein“, das nun im Fischer Verlag erschienen…

Zwei Schriftstellerinnen, zwei Geschichten, zwei Verfolgte

Zwei Schriftstellerinnen, ein Jahrhundert und zwei Geschichten geprägt von Verfolgung und dem Gefühl des Eingesperrt-Seins. Ljudmila Petruschewskaja beschreibt in „Das Mädchen aus dem Hotel Metropol“ die Anfänge ihres Lebens bis in die ersten Berufsjahre als Journalistin in Moskau, die Rumänin Kristiane Kondrat hingegen beschäftigt sich in ihrem Roman „Abstufung dreier Nuancen von Grau“ mit der…

Reise aus der Vergangenheit: „Luftgänger“ von Jewgeni Wodolaskin

In Jewgeni Wodolaskins „Luftgänger“ (Aufbau Verlag) erwacht ein Mann ohne Erinnerung in einem Krankenhaus, nicht einmal mehr sein Name fällt ihm ein. Stück für Stück kehren dann allerdings Szenen aus seiner Vergangenheit zurück. Es entstehen Bilder von der Russischen Revolution, von Verfolgung und dem Gefängnis, von dem Lager. Innokenti Platonow begreift schnell, dass er ein…

Frauen, Lemberg und eine Glasmalerei: Żanna Słoniowskas „Das Licht der Frauen“

von Natalia Staszczak-Prüfer Żanna Słoniowska wurde 1978 im Lemberg geboren und verbrachte dort 24 Jahre ihres Lebens. Heute wohnt sie in Krakau, wo sie mit der Spezialisierung auf die Ukraine als Übersetzerin und Journalistin arbeitet. In ihrem Haus wurde schon immer Polnisch, Ukrainisch und Russisch gesprochen und obwohl die Autorin nie eine polnische Schule besuchte,…

Ein Tag in Tbilissi: „Der Südelefant“ von Archil Kikodze

„Der Südelefant“ von Archil Kikodze (Ullstein) ist ein Kaleidoskop verschiedenster Erinnerungen und Lebensweisen. Als der namenlose Ich-Erzähler für einen alten Freund für einen Tag seine Wohnung verlässt, streift er durch die Straßen der georgischen Hauptstadt. Hier liegen zahlreiche Erinnerungen an Freundschaften und Familienmitglieder. Jede Straße hat eine Botschaft, jeder Platz lenkt ihn in die Vergangenheit….