Frauen, Lemberg und eine Glasmalerei: Żanna Słoniowskas „Das Licht der Frauen“

von Natalia Staszczak-Prüfer Żanna Słoniowska wurde 1978 im Lemberg geboren und verbrachte dort 24 Jahre ihres Lebens. Heute wohnt sie in Krakau, wo sie mit der Spezialisierung auf die Ukraine als Übersetzerin und Journalistin arbeitet. In ihrem Haus wurde schon immer Polnisch, Ukrainisch und Russisch gesprochen und obwohl die Autorin nie eine polnische Schule besuchte,…

Ein Tag in Tbilissi: „Der Südelefant“ von Archil Kikodze

„Der Südelefant“ von Archil Kikodze (Ullstein) ist ein Kaleidoskop verschiedenster Erinnerungen und Lebensweisen. Als der namenlose Ich-Erzähler für einen alten Freund für einen Tag seine Wohnung verlässt, streift er durch die Straßen der georgischen Hauptstadt. Hier liegen zahlreiche Erinnerungen an Freundschaften und Familienmitglieder. Jede Straße hat eine Botschaft, jeder Platz lenkt ihn in die Vergangenheit….

Die Vergangenheit lässt nicht los: „Kronos Kinder“ von Sergej Lebedew

„Denn der Deutsche war ja nicht nur der Feind […], er war ein nahestehender Feind, fast ein Verwandter, und dabei doch anders, fremd.“ Es ist ein harmloser Ausflug auf den Deutschen Friedhof in Moskau: Wöchentlich begleitet Kirill seine Großmutter Lina zu den Gräbern ihrer russischstämmigen Verwandten. Doch an einem Tag führt sie ihn plötzlich zum…

Zwei Georgientitel: „Paradies am Rande Europas“ und „40 Tage Georgien“

Georgien: ein kleines Land im Kaukasus zwischen dem Meer und Bergen, zwischen Wäldern und Steppe. Nicht zuletzt durch die Einbindung als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse erfährt das Land in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit. Schon länger gilt Georgien als (Geheim-)Tipp für Touristen. Auch ich durfte Georgien im Frühling für 10 Tage bereisen und war sofort…

Die Schmerzen des letzten Jahrhunderts: „Belladonna“ von Daša Drndic

„Ach, man sollte nicht einmal mehr darüber nachdenken, über die Mauer des Schweigens, die schwer auf seiner Brust liegt und ihm den Atem raubt, so viele haben das schon beschrieben, wie oft muss man das wiederholen, für wen?“ „Belladonna“ (Hoffmann und Campe) ist der letzte große Roman der kroatischen Autorin Daša Drndic, die in diesem…

Aufzeichnungen über zwei Leben im gemeinsamen Körper: „Einsame Schwestern“ von Ekaterine Togonidze

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn sich zwei Menschen von der Taille abwärts einen Körper teilen müssen und ihr ganzes Leben in dieser Verbundenheit miteinander verbringen? Der Roman „Einsame Schwestern“ (im Original „Asinkroni“) der georgischen Autorin Ekaterine Togonidze beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Die Protagonistinnen Lina und Diana sind siamesische Zwillinge. Gleich zu…

Märchen des Balkans: „Elada Pinjo und die Zeit“ von Kerana Angelova

„Die Zukunft kommt heran, wir sagen kschsch zu ihr, und schwupp verwandelt auch sie sich auf der Stelle in Vergangenheit. Ich sage dir, es gibt nichts Schreckhafteres als den Augenblick, den wir Gegenwart nennen.“ Kerana Angelovas „Elada Pinjo und die Zeit“ (Ink Press) beginnt in den Wäldern des Balkans und endet am Schwarzen Meer –…

Suizid als eine Art Familientradition: Natascha Wodin „Sie kam aus Mariupol“

Die literarische Tätigkeit der Autorin Natascha Wodin nimmt ihren Anfang in den 80er Jahren. 1983 ist ihr erster Roman „Die gläserne Stadt“ erschienen. Dann folgten zwar weitere Veröffentlichungen, doch die breite Leserschaft erreichte die Autorin erst mit ihrem aktuellen Roman „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt Verlag, 2017). Für dieses autobiografische Buch wurde sie dieses Jahr…

Ein albanisches Schlüsselwerk: „Schlüsselmädchen“ von Lindita Arapi

„Lodjas Mutter war eine Gefangene der familiären Inquisition. Darauf zu hoffen, dass sie sich jemals befreien würde, war aussichtslos. Sie wollte es ja selbst so. Es lag ihr im Blut.“ Lindita Arapis „Schlüsselmädchen“ (Dittrich Verlag) behandelt die Geschichte der jungen Lodja, die das Treiben ihrer albanischen Heimatstadt als Kind nur durch ein Fenster beobachten und…