Kateřina Tučková „Gerta, das deutsche Mädchen“

Immer mal wieder gibt es Bücher, deren Übersetzung ins Deutsche überfällig war. Der Roman „Gerta, das deutsche Mädchen“ von Kateřina Tučková ist einer davon. Bereits 2009 unter dem Titel „Vyhnání Gerty Schnirch“ [Die Vertreibung der Gerta Schnirch] erschienen, beschäftigt sich der Roman mit der Vertreibung der Deutschen aus Tschechien nach 1945 und ist pünktlich zur…

Die Vergangenheit lässt nicht los: „Kronos Kinder“ von Sergej Lebedew

„Denn der Deutsche war ja nicht nur der Feind […], er war ein nahestehender Feind, fast ein Verwandter, und dabei doch anders, fremd.“ Es ist ein harmloser Ausflug auf den Deutschen Friedhof in Moskau: Wöchentlich begleitet Kirill seine Großmutter Lina zu den Gräbern ihrer russischstämmigen Verwandten. Doch an einem Tag führt sie ihn plötzlich zum…

Schicksale – drei Indies und Kurzgeschichten

Kosovo-Krieg: 24. März 1999, Einsatz der Nato: 1. Luftangriff, bis 12. Juni 1999, Pristina. Elvira Dones´ Roman „Kleiner sauberer Krieg“ (INK PRESS) ist ein einprägsames Schreckensbild zum Ende des letzten Jahrhunderts. In Pristina harren drei junge Frauen ohne Strom, ohne Wasser und ohne Telefon inmitten der umkämpften Stadt aus. Teile ihrer Familie und Freunde haben…

„Sänger in der Nacht“ von Olja Savičević

von Katharina Haase „Die Liebe ist das einzige wahrhaftige Spektakel, das sich anbietet, wenn man keinen Krieg mag.“ Pomela, Königin der kroatischen Seifenoper, bedroht von einem fortschreitenden Gedächtnisverlust, begibt sich auf die Suche nach ihrem ersten Mann Fink. In ihrem Cabriolet fährt sie durch das ehemalige Jugoslawien und begegnet unterwegs redseligen Taxifahrern, wahnsinnigen Großmüttern und…

Der Zerfall einer Familie: „Unter dem Feigenbaum“ von Goran Vojnović

„Aber noch bevor mich die süßen Erinnerungen an das Feigenpflücken überkamen, sah ich Großvater, wie er am nächsten Morgen, der nie kommen wird, wie ein Kind durch die breiten, mächtigen Äste des Feigenbaums steigt und mit seinen langen dürren Armen die unter den großen rauen Blättern versteckten Feigen pflückt.“ „Unter dem Feigenbaum“ von Goran Vojnović…

Rumäniens moderner Klassiker: “Handbuch der Zeiten” von Ștefan Agopian

Es gilt als moderner Klassiker Rumäniens: „Handbuch der Zeiten“ von Ștefan Agopian. Im Original erschien das Werk bereits 1984 in dessen Heimatland und durfte nun über 20 Jahre später auch in deutscher Übersetzung beim Verbrecher Verlag das Licht der Welt erblicken. Der Verlag lässt sich wohl hervorragend als laut, mal provokativ und mal sanft, mutig…

Schlüsselwerk der mazedonischen Literatur: “Quecke” von Petre M. Andreevski

„Unser Stamm ist eine Quecke […] keine Armee und keine Krankheit kann ihn ausmerzen. Die Quecke ist ein Unkraut […]. Zertritt sie nur, zerr an ihr, so viel du willst, reiß sie mitsamt den Wurzeln raus – sie stirbt doch nicht.“ Petre M. Andreevskis „Pirej“ erschien 1980 und ist mittlerweile eines der Schlüsselwerke der mazedonischen…

„Eichhörnchen hatten uns enttäuscht“ – Tijan Sila: Tierchen Unlimited

Krieg, Flucht und die bevorstehende Integration in einem fremden Land wie Deutschland sind die Themen des Debütromans „Tierchen Unlimited“ von Tijan Sila (Kiepenheuer & Witsch). Der Autor Sila kam wie der Held des Romans in Sarajevo zur Welt und wanderte mit seiner Familie 1994 nach Deutschland aus. Der Ich-Erzähler erzählt mit einer starken Stimme von seinem…

Szenen inmitten des Krieges: “Abzählen” von Tamta Melaschwili

Das literarische Debüt „Abzählen“ der georgischen Autorin und Frauenrechtlerin Tamta Melaschwili (großartig übersetzt von Natia Mikeladze-Bachsoliani) aus dem Unionsverlag ist kein gewöhnlicher Roman über den Krieg. Im Mittelpunkt stehen hier nicht die Soldaten an der Front oder die Politiker dahinter, sondern der Alltag dreier dreizehnjähriger Mädchen, die in Georgien leben und sich in ihrer vom…