Europas Familie: „Ein Krokodil für Zagreb“ von Marina Achenbach

51NpJ1R6+3LIn ihrem Romandebüt „Ein Krokodil für Zagreb“ (Edition Nautilus) verarbeitet die in Berlin lebende Autorin Marina Achenbachs ihre eigene Familiengeschichte und führt die Leser von Zagreb nach Berlin, von Bosnien nach Wien und München. Der Roman spannt dabei einen geschichtlichen Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zerfall Jugoslawiens mit der Belagerung Sarajevos. Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten Seka und Ado, die sich in Kroatien kennen und lieben lernen und deren Beziehung durch ganz Europa führen wird.

Sie sind jung und wollen frei sein: Die junge Journalistin Seka trifft in Zagreb auf den Rebellen und Kommunisten Ado. Die beiden verlieben sich und bekommen zwei Kinder. Doch die Zeiten sind schwierig, die Vorboten des Zweiten Weltkrieges sind überall spürbar. Als schließlich deutsche Truppen in ihre Heimat einziehen, flüchtet die junge Familie nach Berlin, wo Ados Familie eine prächtige Villa besitzt. Vor dem Hintergrund des Schreckens des Krieges verlieren Seka und Ado sich, die Familie bricht auseinander und verteilt sich nach Kriegsende über ganz Europa.

Die 1939 in Zagreb geborene Autorin erzählt die Episoden aus dem Leben ihrer Eltern in kleinen Dosen. Sprunghaft berichtet sie von den verschiedenen Figuren und deren Begegnungen mit Freunden als auch Feinden. Leider ist dieser Erzählstil zugleich der große Schwachpunkt dieses biografischen Romans, denn der direkte Wurf der Leser in die Geschichte wird dadurch sofort unübersichtlich. Schnell hat man das Gefühl, den Überblick in der Zeit und im Ort zu verlieren, da in der Erzählung zu viele Figuren einen Auftritt bekommen. Die verschiedenen Kapitel fliegen nur so an einem vorbei und am Ende liegt vor einem ein breites Mosaik der Familie, deren Geschichte leider am Ende an Spannungskraft verliert.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Distanz zu den Figuren. Zwar erzählt Achenbach von dem Leben ihrer Eltern und könnte direkt auf deren Erinnerungen und Gedanken zurückgreifen, doch Seka, Ado und Co. bleiben den Lesern seltsam fremd. Zu viel packt die Autorin in das mit 224 Seiten recht schmale Buch. Hier wäre eine ruhigere Erzählweise, die sich viel mehr Zeit und Raum für ihre Charaktere nimmt, sicher empfehlenswert gewesen. Am Ende des Romans steht das Gefühl, zugleich alles und nichts erlebt zu haben.

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten, 19,90 € (D)
  • Verlag: Edition Nautilus
  • ISBN-13: 978-3960540335

Annika

 

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