WERTE VERS KUNST: Das 19. Poesiefestival in Berlin

Das Poesiefestival Berlin lockt jedes Jahr im Mai unzählige Besucher in das Haus für Poesie in der Akademie der Künste. Auch in diesem Jahr präsentierte die Festivalleitung ein buntes Sammelsurium an Versen, Klängen, nahen und fernen Künstler*innen. Wir waren bei zwei Veranstaltungen zu Gast und konnten uns einmal mehr von der wunderbaren Sprache der Poesie überzeugen.

WELTKLANG

20180525_184550„Weltklang“ lautete der Titel der Eröffnungsveranstaltung des Poesiefestivals. An einem bunten Abend präsentierten die Lyriker*innen ihre Werke – mal politisch, mal erheiternd, mal düster. Neben der australischen Musiklegende Robert Forster, der deutschen Lyrikerin Kerstin Preiwuß und dem bekannten amerikanischen Poeten Charles Bernstein konnte man auch nicht deutsch- oder englischsprachigen Gedichten lauschen und sich so komplett auf den „fremden“ Klang einlassen. Ein Lesebuch bot Übersetzungen, doch der Reiz lag auch an diesem Abend oft darin, einfach mal zuzuhören: Wie klingt Poetik in einer Sprache, die ich nicht verstehe?

Highlight war die ungarische Performancekünstlerin Katalin Ladik, die mit schrillen Tönen, Kehlkopfgesang und einem flügelartigen Kleid eine ganz eigene Aura verbreitete. Ihre Gedichte, die bisher leider nicht in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurden, orientieren sich an alten Mythen, Märchen und Fabelwesen. Titel wie „Eisvogel“, „Vier schwarze Pferde fliegen hinter mir her“ oder „Als die Menschen auseinandergingen“ entführen in Ladiks experimentelle und surreale Welt. In ihrer Heimat wurde Ladik bereits in den 60er Jahren durch Nackt-Performances und feministisch-schamanistische Lautgedichte bekannt. Sie lebt und arbeitet heute abwechselnd in Budapest, Novi Sad und auf der kroatischen Insel Hvar. Wir hoffen sehr, dass ihre Werke auch endlich in Deutschland veröffentlicht werden und halten bis dahin das Lesebuch des Weltklangs in allen Ehren!

VERSSCHMUGGEL

Am vorletzten Tag gab es im Haus für Poesie noch eine ganz besondere Präsentation: Drei Tage lang arbeiteten während des Festivals jeweils ein deutscher und ein tschechischer Lyriker gemeinsam mit Sprachmittlern an der jeweiligen Übersetzung der Gedichte des anderen. Klingt kompliziert? Oh ja! Sechs Dichterpaare inszenierten ihre Ergebnisse und machten deutlich, wie vielfältig Lyrik sein kann. Dass die Schwierigkeit hier schon bei kleinen Übersetzungen liegen kann (Wo liegt im Tschechischen der Unterschied zwischen Kröte und Frosch? In welches Geschlecht übersetzt man „Ich bin leicht“ ins Tschechische?) erläuterten vorab die Sprachmittler, die die Gedichte erst eine Reinform bringen mussten, damit aus ihnen dann ein poetisches Werk werden konnte.

Durch den Abend führte der tschechische Lyriker und Übersetzer Jonáš Hájek, der es wunderbar verstand, ein familiäres und unterhaltsames Ambiente zu schaffen. Der große Wunsch vieler im Publikum war es wohl, nicht nur die eine Sprache zu verstehen, sondern beide und damit live die verschiedenen Übersetzungen vergleichen zu können. Wem das, wie mir, nicht möglich war, der konnte sich an dem schönen Klang erfreuen, den die tschechische Sprache bietet und hin und wieder, wenn ein scheinbar bekanntes Wort fiel, hatte man sogar kurz das Gefühl, man verstünde alles.

Lesung

„VERSschmuggel“ geht nun in die nächste Runde und findet seinen Höhepunkt im März 2019, wenn die Tschechische Republik Gastland der Leipziger Buchmesse sein wird. Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit werden dann im Verlag Das Wunderhorn veröffentlicht, der unter dem Motto bereits andere Übersetzungen herausbrachte. Wir freuen uns sehr, dann die Printausgabe in den Händen halten zu können!

von Annika

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