Ein Leben wie ein Film – „Ich trank Gift wie kachetischen Wein“ von Lana Gogoberidse

Ich trank Gift wie kachetischen Wein ist eine einzigartige und zutiefst persönliche Autobiografie der georgischen Regisseurin Lana Gogoberidse, die 2019 bei dem Mitteldeutschen Verlag in der Übersetzung von David Kakabadse erschienen ist. Das Buch ist eine vielfältige Erinnerung an das Schöne und das Traurige innerhalb eines totalitären Systems in der ehemaligen Sowjetunion. Die Geschichte wird mutig und liebevoll erzählt, aber nicht nur aus der Perspektive einer georgischen Frau, gefangen in dem sowjetischen Regime, sondern auch aus der Perspektive einer Filmemacherin, die dem kreativen Schaffen trotz der ständigen Schwierigkeiten ihr Leben widmete.

von Jeva Griskjane

9783963111563_w9Lana Gogoberidse, geboren 1928 in Tbilissi, zählt zu den wenigen Regisseurinnen, die in der Sowjetunion systemkritische Autorenfilme trotz ständiger Zensur verwirklicht haben. Ihre Entschlossenheit, Geschichten aus der Frauenperspektive zu erzählen, führte dazu, dass sie als eine der wenigen feministischen Filmemacherinnen der UdSSR international anerkannt wurde. Ihre Mutter, Noutsa Gogoberidse, war die erste Frau, die in der Sowjetunion als Regisseurin tätig war. In den dreißiger Jahren wurde Noutsa Gogoberidse für zehn Jahre nach Sibirien verbannt, ihr Vater Levan Gogoberidse wurde verhaftet und hingerichtet.

In ihrer Autobiografie spiegelt Gogoberidse nicht nur die Folgen und die Wirkungen vergangener katastrophaler Ereignisse des Jahrhunderts und ihres eigenen Schicksals wieder, sondern auch die Liebe und Geborgenheit, die sie in ihrem Leben erfahren hatte. Sie erinnert sich an ihre Mutter, die das Leben nach der Verbannung neu entworfen hat, an die Komplexität und Fülle der Liebesbeziehung zu ihrem Ehemann Lado, über das Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit, das ihr trotz allen Schicksalsschlägen erhalten blieb. Als georgische Künstlerin beschreibt sie die Faszination der Kinowelt und erzählt mal gewagt mal humorvoll über das Überleben und Agieren in der sowjetischen Filmindustrie. Die georgischen Identität und die georgische Sprache sowie das Recht auf Verteidigung von menschlichen Werten bleibt bei ihr stets im Mittelpunkt.

Ich trank Gift wie kachetischen Wein wird zu einer anspruchsvollen, poetischen und zugleich ergreifenden Reise in eine andere Welt, in jene Vergangenheit, die von einem besonderen Lebensgefühl bestimmt war. Eine vergangene Welt, die so offensichtlich anderes war, als die uns so vertraut westliche.

 

 

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