Zwei Architekturtitel von DOM publishers

Der Berliner Verlag DOM publishers veröffentlicht seit 2005 neben den Architekturführern wissenschaftliche Publikationen zur Architektur, Städtebau und Design mit ganz besonderem Schwerpunkt zu Mittel- und Osteuropa aber auch Zentralasien. Zwei neue Publikationen führen uns sehr deutlich vor Augen, wie spannend und vielseitig die wissenschaftliche Beschäftigung mit Architektur sein kann und erhöhen zugleich unser Bewusstsein für dieses komplexe Fach.

von Irine Beridze

507-4_Mass_Housing_rgb_1024x1024„Mass Housing in the Socialist City – Heritage, Values, and Perspectives“ wurde von Barbara Engel herausgegeben und stellt eine Vergleichsstudie zwischen Deutschland, Russland und der Ukraine dar. Bekanntlich haben die Plattenbauten keinen guten Ruf und werden in den mittel- und osteuropäischen Ländern nach dem Zerfall der Sowjetunion und nach der Wende in Ostdeutschland möglichst mit allen möglichen Mitteln „modernisiert“ und saniert. Aber welche konkreten planerischen und pragmatischen Überlegungen stecken hinter diesen Monsterhäusern? Wie geht man nach der Transformationszeit mit diesem Erbe um und wie können diese Bauten in der Zukunft in das jeweilige Stadtbild neu-integriert werden?
All diese und weiteren Fragen stehen im Zentrum der Publikation, deren besonderer Verdienst es ist, die vergleichende Entwicklung zwischen den osteuropäischen Ländern und Deutschland aufzuzeigen.

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(c) DOM publishers

Die vergleichende Perspektive zeichnet ein anderes Bild in Westeuropa, wo man z.B. in Berlin Marzahn die Platten teilweise so verändert, dass man die kommunistische architektonische Vergangenheit fast nicht mehr erkennen kann und in der Ukraine oder Russland, wo die Häuser teilweise im heruntergekommenen Zustand weiter stehen oder auch zerstört werden.
Fazit: sicherlich nicht nur für die Leser*innen vom Fach von Interesse.


312-4_Cover-2D_Shop_1024x1024„Boris Iofan. Architect behind the Palace of the Soviets“ von Maria Kostyuk u.a. ist eine zweisprachige (Englisch/Russisch) Ausgabe, die sich dem sowjetischen Architekten der Stalinzeit (und darüber hinaus) Boris Iofan und seinem Erbe widmet. Boris Iofans Karriere begann zunächst in Italien, bevor er nach Russland zurückkehrte. Ab den 1930er Jahren war seine persönliche architektonische Sprache schon sehr deutlich herausgebildet. Die Periode bis zum Anfang der 40ern war zugleich die fruchtbarste Zeit in seinem Schaffen. Die administrativen und öffentlichen Bauten wurden durch monumentale Bauprojekten ergänzt, durch die sein Name noch berühmter wurde. Seine Baustile waren sehr vielfältig und durch unterschiedliche Stilrichtungen beeinflusst – wie Avantgarde, Klassizismus, Art déco und Moderne.

Die Publikation umfasst acht Kapitel/Essays, die dem Schaffen von Iofan angefangen von seinen italienischen Jahren (1914-1924) bis zu seinen letzten Projekten in den 1960er und 1970er Jahren gewidmet sind. „Palast der Sowjets“ (im Original Дворец Советов) war sein wichtiges und zugleich sein nicht realisiertes Projekt und genau diesem Bau widmet das Buch die meiste Aufmerksamkeit. Das Projekt, das wegen dem Zweiten Weltkrieg und danach wegen dem finanziellen Mangel nicht realisiert werden konnte, zeigt am deutlichsten, wie stilreich und kreativ seine architektonische Vision war.

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(C) DOM publishers

Wichtig ist außerdem sein Projekt des sowjetischen Pavillons im Hinblick auf die im Jahr 1937 in Paris stattfindenden internationalen Exposition. Das siebte Kapitel ist der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. Bereichert mit umfangreichen Archivmaterial, das diverse Zeichnungen, Vorarbeiten, Fotos und Skizzen des Architekten Iofan beinhaltet, gibt das Buch einen umfassenden Einblick in sein künstlerisches Schaffen. Noch heute kann man seine wichtigen Arbeiten in Russland (Moskau u.a.) besichtigen und einen persönlichen Eindruck von diesem einzigartigen Stilmix bekommen – der Wohnhaus-Komplex in Serafimovicha Straße, das Kino „Udarnik“ u.a.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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