Abgebrochen: „Sumerki“ von Dmitry Glukhovsky

von Annika Grützner

Bereits im letzten Jahr haben wir euch einen der wichtigsten zeitgenössischen russischen Autoren in einem Interview vorgestellt: Dmitry Glukhovsky. Der in Moskau und in Barcelona lebende Autor hat sich mit seiner Metro-Reihe einen festen Platz in der dystopischen Literaturwelt geschaffen und begeistert jedes Jahr Millionen von Leserinnen und Leser. Mit „Sumerki“ hat der Heyne Verlag nun eine Neuauflage des 2007 im Original erschienenen Romans veröffentlicht.

91DZ6XM+TrL.jpgIn „Sumerki“  begleiten wir den altmodischen Übersetzer und Einzelgänger Dmitry Alexejewitsch. Sein Leben besteht aus schnöden Übertragungen von Gebrauchsanweisungen und kurzen Textschnipseln des Englischen ins Russische. Seinen Alltag verbringt er in einer von der Großmutter geerbten kleinen Wohnung mitten in Moskau. Das alles ändert sich, als er einen ganz besonderen Auftrag erhält: Ein spanisches Tagebuch soll übersetzt werden. Dies entpuppt sich als Expeditionstagebuch eines Konquistadoren, dessen von Soldaten und einheimischen Führern begleitete Gruppe sich im Jahre 1562 in den mexikanischen Dschungel aufmachte, um die wichtigsten Schätze der Maya zu finden. Schnell gerät Dmitry in den Bann der Erzählung und es geschehen seltsame Dinge, die mit dem Text verknüpft zu sein scheinen. Als ihn dann auch noch seltsame Gestalten auflauern, fürchtet er um sein Leben.

Dmitry Glukhovskys „Sumerki“ besteht aus 512 Seiten. Ich habe den Roman nach knapp der Hälfte abgebrochen. Was sich hier als spannende Abenteuergeschichte verkauft, wird schnell zum phrasenhaften Wechselspiel von Tagebucheinträgen und Alltagsszenen. Das muss nicht unbedingt langweilig sein, doch hatte ich nach knapp 100 Seiten immer noch das Gefühl, nicht über einen Prolog hinausgekommen zu sein. Die Perspektive des Übersetzers, dessen Leben sich dann doch nach zu kurzer Zeit etwas übertrieben nur noch um diesen einen kurzen Text dreht, die Expedition, die von einer unsichtbaren Macht verfolgt wird, das dunkle Moskau, das sich verändert – das alles hat man so schon einmal in besserer Form gelesen oder gehört.
Zwar gelingt es dem Autor gut, seinen Charakter als schrägen Einzelgänger darzustellen, doch auch dieser hätte vielseitiger und interessanter sein können, ist er doch Hauptträger der Handlung. Was Dmitry Glukhovsky in seinen Metro-Romanen oder in „Future“ gelungen ist, der spannende Aufbau einer ganzen Welt mit vielschichtigen Charakteren, fehlt in „Sumerki“.

  • Taschenbuch: 512 Seiten, 9,99 € (D)
  • Verlag: Heyne Verlag (9. Juli 2018)
  • Übersetzung: M. David Drevs
  • ISBN-13: 978-3453317598

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