Neue literarische Reisetitel

513h7+fLTvL.jpg„Die Donau aufwärts? Viele Leute, denen ich auf dieser langen Reise begegnete, dachten, ich müsse verrückt sein, den Fluss in der falschen Richtung in Angriff zu nehmen.“
Eine Reise quer durch Europa – Nick Thorpes „Die Donau – eine Reise gegen den Strom“ (Zsolnay) ist dessen 2857 Kilometer lange Weg des zweitlängsten Flusses Europas. Doch entgegen der gängigen kleinen Kreuzfahrtschiffe, die die Donau ab Deutschland oder Österreich abfahren und meist schon in Ungarn enden, reist der Autor vom Donaudelta in Tulcea, Rumänien, bis nach Ulm zur Quelle des Flusses und trifft dabei auf die vielen Menschen, die die Arbeit am Wasser ernährt und prägt. Angefangen von dem Problemen des Fischfangs der geschützten Störe über Treffen mit Mönchen und Imker bis hin zum Zigarettenschmuggel von Moldawien nach Rumänien über die Grenze der Europäischen Union – „Die Donau“ erzählt von den verschiedenen Geschichten entlang des Flusses und beschäftigt sich neben den zahlreiche Begegnungen auch mit den ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren der Länder, die der Fluss durchläuft. Der Titel ist daher keine typische Reiseerzählung, sondern zeichnet eine detaillierte Kulturstudie entlang des Ufers. Jedes Kapitel bindet so eine neue Welt ein, die der Fluss verbindet und steht so als Liebeserklärung an die Donau. Sicher spielte auch Nick Thorpes Wahlheimat, Budapest, eine entscheidene Rolle für dieses Reise- und Schreibprojekt, das die Donau als „Wiege Europas“, als „Geburtsort des Kontinents“ betitelt. „Die Donau“ ist eine Empfehlung nicht nur für Reisende, sondern ebenfalls für kulturgeschichtlich und -gesellschaftlich Interessierte. Wer jedoch eine heitere, leichte Reiseerzählung erwartet, ist fehl am Platz. Der BBC-Korrespondent beweist in dem Buch sein journalistisches Können und präsentiert gut recherchierte Reportagen, die nichts verheimlichen.

51l47AF1eRL„Nicht in Sarajevo, der Stadt mit den siebenhundert Minaretten, nicht in Istanbul, dem Anfang Asiens, nicht in Teheran, auf der angeblichen `Achse des Bösen´, ist die GRenze zum Osten. Sondern hier, an diesem Nullpunkt im Nichts, an diesem braunen Fleck in der Wüste, der wie das Ende der Welt aussieht, aber nur das Ende der Welt ist, wie ich sie kenne: Hier beginnt der Osten, hier lassen wir den Westen endgültig hinter uns.“
Manuela Di Francos „Der Himmel ist grün“ (Lenos Verlag) erzählt die weite, einjährige Reise Mos und Khalils, die 2006 in den Zug steigen und immer weiter in den Osten bis nach Nepal fahren. Die Reise thematisiert dabei nicht nur die Stigmata der verschiedenen Stationen (z.B. der Balkan, die Türkei, der Iran) sondern auch das Aufeinandertreffen der Kulturen. Wie priviligiert sind wir in den modernen Städten? Was unterscheidet uns menschlich von den Bewohnern der Wüste? Was bedeutet Heimat? „Der Himmel ist grün“ ist eine fast schon philosophische Reise, die leider teilweise durch emotionale Ausbrüche á la „Liebe ich meinen Ex noch? Will ich bei Khalil bleiben?“ der Hauptfigur Mo auseinandergerissen wird und den Fortlauf der Handlung stört. Die Erzählung steht dabei immer etwas in der Schwebe, denn so richtig funkt es zwischen Leser und Figuren nicht, gleichzeitig lehnt sich die Schilderung der Orte und Menschen beeindruckend an die von berühmten Reisejournalisten wie Nicolas Bouvier und Annemarie Schwarzenbach an. Wir verlassen Mo und Khalil mit gemischten Gefühlen!

https3-eu-west-1.amazonaws.commairdumont-covercloud9783770194506Nach bisherigen Reisen nach Riga und Estland ist mein Interesse am Baltikum stärker denn je, umso mehr habe ich mich über den Bildaltlas „Baltikum“ aus dem Dumont Reiseverlag gefreut, der die Vorzüge Estlands, Lettlands und Litauens wunderbar präsentiert. Langweilige Reiseführer sind passé, denn mit den Bildatlanten gibt es nicht nur viele Tipps rund um Stadt und Land, sondern auch tolle Bilder des Fotografen Peter Hirth, die zum Entdecken anregen. Ob mit dem Kajak um die Stadt (Tallinn, Estland), der Park der tausend Möglichkeiten (Sigulda, Lettland) oder „das Rom des Ostens“ (Vilnius, Litauen), hier kommt jeder auf seine Kosten. Entgegen der gängigen Reiseführer ist der Bildatlas zum Baltikum mehr eine informative, dickere Werbebroschüre (im positiven Sinne), die man auch ohne explizite Reisepläne gerne durchblättert. Die Liebe liegt hier im Detail und in den Fotos, die die Lust auf mehr machen. Zwar werden bei Weitem nicht alle Sehenswürdigkeiten und Städte eingebunden, dennoch vermittelt der Band eine gewisse Grundstimmung der drei doch oft recht touristisch vernachlässigten Länder.

von Annika

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