Europas Familie: “Ein Krokodil für Zagreb” von Marina Achenbach

In ihrem Romandebüt „Ein Krokodil für Zagreb“ (Edition Nautilus) verarbeitet die in Berlin lebende Autorin Marina Achenbachs ihre eigene Familiengeschichte und führt die Leser von Zagreb nach Berlin, von Bosnien nach Wien und München. Der Roman spannt dabei einen geschichtlichen Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zerfall Jugoslawiens mit der Belagerung Sarajevos. Im Mittelpunkt stehen…

Kat Kaufmann: „Die Nacht ist laut. Der Tag ist finster“

„Die Nacht ist laut, der Tag ist finster“, so lautet der Titel des zweiten Romans von Kat Kaufmann. Erschienen ist er bei Hoffmann und Campe Verlag/TEMPO Bücher in diesem Frühjahr. Mit ihrem Erstlingswerk „Superposition“ hat Kaufmann den aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt gewonnen. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist Kaufmann gleichzeitig auch Jazzsängerin-Schrägstich- Komponistin-Schrägstrich-Fotografin….

Schlüsselwerk der mazedonischen Literatur: “Quecke” von Petre M. Andreevski

„Unser Stamm ist eine Quecke […] keine Armee und keine Krankheit kann ihn ausmerzen. Die Quecke ist ein Unkraut […]. Zertritt sie nur, zerr an ihr, so viel du willst, reiß sie mitsamt den Wurzeln raus – sie stirbt doch nicht.“ Petre M. Andreevskis „Pirej“ erschien 1980 und ist mittlerweile eines der Schlüsselwerke der mazedonischen…

„Eichhörnchen hatten uns enttäuscht“ – Tijan Sila: Tierchen Unlimited

Krieg, Flucht und die bevorstehende Integration in einem fremden Land wie Deutschland sind die Themen des Debütromans „Tierchen Unlimited“ von Tijan Sila (Kiepenheuer & Witsch). Der Autor Sila kam wie der Held des Romans in Sarajevo zur Welt und wanderte mit seiner Familie 1994 nach Deutschland aus. Der Ich-Erzähler erzählt mit einer starken Stimme von seinem…

Science-Fiction trifft auf Historiendrama: “Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt” von Jaroslav Kalfař

Jaroslav Kalfařs Debütroman „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ (Tropen) ist die Geschichte des Astronauten Jakub Procházka, der als erster tschechischer Raumfahrer überhaupt für 8 Monate ins Weltall geschickt wird, um einen mysteriösen Nebel zu untersuchen. Doch noch bevor er diesen überhaupt erreicht, geht alles schief. Seine Frau Lenka ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden,…

Interview: Nadine Lashuk mit “Liebesgrüße aus Minsk”

Noch immer gibt es auch für uns Länder und Orte, von denen wir zwar schon gehört haben, zu denen uns aber leider das Hintergrundwissen fehlt. Eines dieser Länder ist Belarus. Zwischen Polen, der Ukraine, Litauen, Lettland und natürlich dem großen Nachbarn Russland liegt Belarus zwar scheinbar gar nicht so entfernt von unserem Standort Berlin, ist…

Suizid als eine Art Familientradition: Natascha Wodin „Sie kam aus Mariupol“

Die literarische Tätigkeit der Autorin Natascha Wodin nimmt ihren Anfang in den 80er Jahren. 1983 ist ihr erster Roman „Die gläserne Stadt“ erschienen. Dann folgten zwar weitere Veröffentlichungen, doch die breite Leserschaft erreichte die Autorin erst mit ihrem aktuellen Roman „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt Verlag, 2017). Für dieses autobiografische Buch wurde sie dieses Jahr…

Rezension: “Gotland” von Michael Stavarič

  Schon das Cover des Romans Gotland (Luchterhand) deutet auf eine düstere Geschichte hin. Das für einen Kriminalroman charakteristische Layout, in dem die Buchstaben des Titels im Moor zu versinken scheinen, schaffen schon ästhetisch einen passenden Vorgeschmack auf das Buch. Der Roman enthält mehrere Schichten und Ebenen, oder besser gesagt mehrere Romane in sich. Allein das…

Ein Jahrhundert Georgien: “Das achte Leben (für Brilka)” von Nino Haratischwili

Nino Haratischwilis „Das achte Leben (für Brilka)“ (Frankfurter Verlagsanstalt) ist mit seinen über 1200 Seiten ein wichtiges Werk für die Aufarbeitung der georgischen Geschichte. Über 6 Generationen spannt sich dieser gewaltige Roman der heute in Hamburg lebenden Autorin, der 1900  beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Frauen einer…

Ein albanisches Schlüsselwerk: „Schlüsselmädchen“ von Lindita Arapi

„Lodjas Mutter war eine Gefangene der familiären Inquisition. Darauf zu hoffen, dass sie sich jemals befreien würde, war aussichtslos. Sie wollte es ja selbst so. Es lag ihr im Blut.“ Lindita Arapis „Schlüsselmädchen“ (Dittrich Verlag) behandelt die Geschichte der jungen Lodja, die das Treiben ihrer albanischen Heimatstadt als Kind nur durch ein Fenster beobachten und…