Der Roman „Brunnen der Vergangenheit“ des armenisch-französischen Schriftstellers Victor Gardon alias Vahram Gakavian ist in der deutschen Übersetzung pünktlich kurz vor der wichtigen Entscheidung des Bundestages erschienen, die planmäßige Vernichtung von 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord einzustufen. An dem Völkermord an den Armeniern von 1915 wird jedes Jahr am 24. April gedacht….
Zwischen grünen Alleen, gelben Straßen und einem Aufstieg auf den Berg: Ein Wochenende in Sofia
Als unsere Maschine aus Berlin abends um halb zehn in Sofia zur Landung ansetzte, hatte ich viele Bilder im Kopf: Graue Betonklotze im sowjetischen Stil, viel Verkehr, wenig Natur und wenig Sehenswertes. So beschränkte sich meine Vorstellung der Hauptstadt Bulgariens eher auf Negatives und natürlich sollte diese so schnell wie möglich revidiert werden. Schon auf…
Zwischen New York und Kaunas: “Das weisse Leintuch” von Antanas Škėmas
„Eine Seele, in ein weißes Leintuch gehüllt. Das ist Ihre Erlösung.“ Antanas Škėmas Roman „Das weisse Leintuch“ handelt von dem litauischen Exilschiftsteller Antanas Garšva, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Liftboy im New Yorker Trubel arbeitet und sich hier in ein Verhältnis mit seiner Geliebten Elena verstrickt, die verheiratet ist. In Rückblenden erfahren die Leser…
Russland und Zentralasien: Zwei Reiseberichte
Reiseliteratur über exotische Routen und außergewöhnliche Destinationen liegt schon länger im Trend und wird gerade durch zahlreiche Neuerscheinungen diverser ReisebloggerInnen immer beliebter. Mit „Sowjetistan“ und „Couchsurfing durch Russland“ haben wir uns zwei aktuelle Titel angesehen, deren VerfasserInnen sich bewusst dazu entschieden haben, ihre eigenen Grenzen aufzubrechen und sich mit Kulturen und Ländern auseinanderzusetzen, die außerhalb…
„Der Schah kommt nicht immer als Zerstörer“: “Royal Mary” von Abo Iaschaghaschwili
Mit dem Roman „Royal Mary“ gewann der junge georgische Autor Abo Iaschaghaschwili 2015 den wichtigsten literarischen Preis Georgiens – den Saba. Iaschaghaschwili hat bereits drei Romane veröffentlicht und „Royal Mary. Ein Mord in Tiflis“ ist sein erstes Buch, das nun auch auf Deutsch beim Berliner Verlag edition.fotoTAPETA erschienen ist. In Georgien wird der Autor oft…
Die mystische Suche nach dem Vater: “Der Windreiter” von Renata Šerelytė
„Mir…mir fehlt das Narrativ so sehr…das Narrativ. Wo warst du? Was ist mit dir passiert?“ Renata Šerelytės „Der Windreiter“ ist ein litauischer Roman, der im Zuge der Neuerscheinungen rund um den Gastlandauftritt des Baltikumstaates auf der Leipziger Buchmesse im Wieser Verlag erschien. Die Autorin wurde 1970 in einem litauischen Dorf geboren, lebt heute in Vilnius und…
Ein Klassiker der estnischen Literatur: “Wikmans Zöglinge” von Jaan Kross
Tallinn, 1938: In der estnischen Hauptstadt besucht Jaak Sirkel das renommierte Wikmansche Gymnasium. Die Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sind für die jungen Männer geprägt von einer seltenen Unbeschwertheit und einem nur kurz währenden Nationalbewusstsein. Die Schüler verbringen den Alltag mit Streichen an Lehrern, versuchen Prüfungen zu umgehen und treffen sich mit neuen…
Rezension: “Gotland” von Michael Stavarič
Schon das Cover des Romans Gotland (Luchterhand) deutet auf eine düstere Geschichte hin. Das für einen Kriminalroman charakteristische Layout, in dem die Buchstaben des Titels im Moor zu versinken scheinen, schaffen schon ästhetisch einen passenden Vorgeschmack auf das Buch. Der Roman enthält mehrere Schichten und Ebenen, oder besser gesagt mehrere Romane in sich. Allein das…
Ein Jahrhundert Georgien: “Das achte Leben (für Brilka)” von Nino Haratischwili
Nino Haratischwilis „Das achte Leben (für Brilka)“ (Frankfurter Verlagsanstalt) ist mit seinen über 1200 Seiten ein wichtiges Werk für die Aufarbeitung der georgischen Geschichte. Über 6 Generationen spannt sich dieser gewaltige Roman der heute in Hamburg lebenden Autorin, der 1900 beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Frauen einer…
Vom fliegenden Staubsauger und anderen „Lese-Lebewesen“: „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ von Giwi Margwelaschwili
Seitdem der Insel-Verlag 1991 den Roman „Muzal: ein georgischer Roman“ des deutschsprachigen Autors mit georgischen Wurzeln Giwi Margwelaschwili veröffentlichte sind fast dreißig Jahre vergangen. Heute ist der Autor beim Berliner Verbrecher Verlag zu Hause und hat hier dieses Jahr den Roman „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ herausgebracht. Margwelaschwili wurde 1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin…