Agentur für Fakenews: „Troll“ von Michal Hvorecky

Medikamentenknappheit, Epidemien und Unterdrückung: In „Troll“ (Klett Cotta) des slowakischen Autors und Journalisten Michal Hvoreckys gerät das Leben in einem fiktiven osteuropäischen Land der Zukunft mehr und mehr aus den Fugen. Nach einem mehrjährigen Krankenhausaufenthalt sucht der namenlose Ich-Erzähler gemeinsam mit seiner besten Freundin Johanna nach einem Ausweg aus dem ziellosen Alltag. Dieser kommt in Form einer speziellen Agentur, die beide als professionelle Internettrolle einstellt. Fakeaccounts, Fakenews und Pöbelei bis zum Rufmord bestimmen fortan ihr Leben – mit weitreichenden Folgen.

Michal Hvoreckys Zukunftsroman kann als moderne Satire eingeordnet werden. An was glauben die Menschen in einer Gesellschaft, die innerhalb weniger Minuten durch das Internet beeinflusst werden kann? In der Medien Meldungen aufgreifen, die im gleichen Moment schon wieder revidiert werden? Die Umgebung in „Troll“ ist eine düstere. Die Mitarbeiter wettern gegen Homosexuelle und Roma, beschimpfen ihre Diskussionsgegner als Nazis und schüren die Furcht vor Ausländern. Dabei erstellen sie täglich neue Accounts, um glaubwürdig zu bleiben. Immer schneller, immer mehr – in Bildschirme versunken wird der Alltag der beiden Protagonisten immer digitaler und auch negativer. Ihre Kampagnen zielen mit geschickten Methoden darauf ab, Persönlichkeiten zu diskreditieren oder religiöse/politische/gesellschaftliche Gruppierungen zu trennen, eine moralische Grenze gibt es dabei nicht.

Die Handlung des Romans ist damit auch schnell wiedergegeben, allerdings bleibt dieser dabei oberflächlich. Der Einstieg in die Handlung erzählt von den Wandlungen im Land, vom Ich-Erzähler, der nach der Flucht des Vaters und Bruders aufgrund fehlender Medikamente durch diverse Kinderkrankheiten an das Krankenhaus gefesselt ist, das eher einem Friedhof gleicht, als professioneller Hilfe. Er ist kein Sympathieträger und Johanna ebenfalls nicht. Doch auch, wenn der Roman scheinbar gar keine Sympathien wecken soll, liest sich dadurch alles etwas zu distanziert. Als Mittelpunkt der Handlung bleiben beide Freunde zu platt und es wäre teilweise spannender gewesen, noch mehr von der Außenwirkung der Fakenews und den Zuständen im Land mitzubekommen, als die genauen Beschreibungen der Trollkampagnen. „Troll“ ist daher ein ganz solider Roman für zwischendurch, mehr aber leider auch nicht. Das Potenzial der Geschichte wurde nicht unbedingt ausgeschöpft.

  • Gebundene Ausgabe: 215 Seiten, 18 € (D)
  • Verlag: Tropen; Auflage: 2. Druckaufl. (4. November 2018)
  • Übersetzung: Mirko Kraetsch
  • ISBN-13: 978-3608504118
  • Originaltitel: Trol

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