Kinder- und Märchenbücher aus Georgien und Polen

Kinder- und Märchenbücher aus Georgien: Schlaf gut (ძილი ნებისა) & Der König, der nicht lachen konnte – Märchen aus Georgien

csm_Nadareischwili_Schlafgut_Cover_02_4695cb9266Das zweisprachige Kinderbuch „Schlaf gut“ (Baobab Books) von der georgischen Autorin und Illustratorin Tatia Nadareischwili ist eine besondere Ausgabe in vielerlei Hinsicht. Der Autorin, die für die LeserInnen von Read Ost bereits durch ihre Illustrationen für das Buch „Die Stadt auf dem Wasser“ (AvivA Verlag) von Salome Benidze bekannt ist, gelingt hier eine faszinierende Geschichte um einen Jungen, der nicht schlafen kann und sich auf eine Reise in die vielfältige Welt der Tiere begibt, um die Schlafgewohnheiten von Giraffen, vom Faultier oder von Pottwalen auszuprobieren. Wir begegnen dem Jungen im Karopyjama als er Fledermäuse beim Schlafen nachzumachen wagt und von einem Ast kopfüber hängt; Oder wie die Enten, so auch er, auf dem Wasser stets mit einem Auge offen zu schlafen versucht.

Mit wenig Text und wunderbaren Zeichnungen, die durch den universellen Humor, der sowohl für die Kleinsten unter uns als auch für Erwachsene funktioniert, schafft Tatia Nadareischwili eine Erzählung, die durch Liebe, Freundschaft und der einzigartigen Symbiose zwischen Mensch und Tier durchdrungen ist. Mit den eher dezent gehaltenen Farben schafft sie durch ihre Bilder eine Atmosphäre der Ruhe und Zuneigung, die nicht nur den Kindern gut tut. Die Idee zu diesem Buch entstand dann, als die Autorin diverse Aufnahmen schlafender Pottwale gesehen hat.

Die Ausgabe dieses zweisprachigen Bilderbuches (aus dem Georgischen von Rachel Gratzfeld) wurde teils durch Spenden finanziert und im wunderbaren Baobab Books (Fachstelle zur Förderung kultureller Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur) aus Basel herausgebracht, der sich in seinem Programm auf Kindergeschichten, Bilderbüchern und Jugendromanen aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Ozeanien und dem Nahen Osten konzentriert. Eine ausdrückliche Empfehlung für jede Familie mit Kindern!

 


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„Der König, der nicht lachen konnte“ (NordSüd Verlag) versammelt zweiundzwanzig georgische Volksmärchen, die von verschiedenen Illustratoren aus Georgien mit Zeichnungen versehen wurden. Diese aufwändige Arbeit wurde zum größten Teil von Otar Karalaschwili, dem Leiter des Buchkunstzentrums in Tbilissi geleistet. Er schuf für diese faszinierende Ausgabe nicht nur Zeichnungen, sondern hat außerdem einige Märchen wunderbar ins Deutsche übertragen. Der Züricher Verlag hat erfreulicherweise in einem hochqualitativen Ausgabe diese Märchen nun publiziert (Aus dem Georgischen von Heinz Fähnrich, Otar Karalaschwili und Sebastian Minkner).

Die Märchensammlung wird mit einem Märchen namens „Halbhuhn“ (geo: „ნახევარქათამა“) eröffnet. Die Zeichnung stammt von Tatia Nadareischwili. Das Halbhuhn verschlingt alles um sich herum und rettet sich letztendlich vor dem König, indem es das kürzlich verschluckte Meer aus seinem Bauch fließen lässt und den König mit seinem Gefolge ertränkt. Die georgischen Volksmärchen verarbeiten oft harte Stoffe und gehen teilweise an die Grenze des Brutalen. Sie drehen sich um Könige, Waisen, Füchse und andere Tiere. Besonders hervorzuheben sind die Märchen, die kurz und knackig humorvolle, abenteuerliche und schicksalhafte Geschichten erzählen, wie z. B. „Die Mücke und das Blatt“ (Illustriert von Mai Laschauri).

Dieser einzigartige Band versammelt Märchen, die für jedes Kind in Georgien ein wichtiger Teil der Kindheitslektüre sind, wie „Nazarkekia“ (Aschenscharrer), der sogar die Riesen durch seine List und Tücke bändigen kann, „Zikara“,  „Chutkuntschula“ (eine abenteuerliche Geschichte mit neun Brüdern, die eines Tages aufbrechen, um eine passende Arbeit zu finden). Chutkuntschula ist der jüngste Bruder, der den bösen Riesen letztendlich einen Streich spielt.

Die titelgebende Geschichte „Der König, der nicht lachen konnte“ folgt dem klassischen Muster des georgischen Volksmärchens. Der König, der tatsächlich nicht lachen kann, schickt seine drei Söhne mit einer schweren Aufgabe fort. Nur der Jüngste ist der Herausforderungen letztendlich gewachsen und löst alle möglichen Rätsel, tötet den widerlichen Dew und befreit seine Mutter. So kann der König endlich wieder lachen. Beeindruckend illustriert Otar Karalashwili das Märchen „Sismara“. Sismara – der Träumer – ist ein Waisenjunge, der immer wundersame Träume sieht und mit der bösen Stiefmutter zu kämpfen hat:

„Ich träumte, dass ich mit einem Bein auf dem Anfang und mit dem anderen auf dem Ende von Bagdad stand. Zur Rechten saß mir die Sonne, zur Linken der Mond, und der strahlende Morgenstern badete mein Gesicht.“

Als alle um ihn herum seine Träume haben wollen, geht er fort. Doch das Leben in der Fremde bereitet ihm etliche Abenteuer vor. Das Ende bleibt aber glücklich, wie in meisten georgischen Märchen. Solche Erzählungen werden immer mit folgenden Worten abgeschlossen:

„Leid vergeht und Freude bleibt
Spreu verweht, Getreide bleibt.“

 


 

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„Unsere Bücher sollen auch weiterhin keine Billig-Schmöker sein, die man nach dem Lesen wegwirft, sondern Kinderbücher mit Charme und Magie, die Sie immer wieder gerne aus dem Regal holen und an die Sie sich auch als Erwachsener mit Liebe erinnern.“, heißt es auf der Webseite des Knabe-Verlages Weimar. Mit „Der grüne Wanderer“ dürfen wir euch ein Kinderbuch vorstellen, was genau diesem Wunsch entspricht, denn die bunte Geschichte rund um Gräumelin, die von der polnischen Autorin Liliana Bardijewska geschrieben und wunderschön von Emilia Dziubak illustriert wurde, ist ein wahrer Hingucker. Als Gäumelin feststellt, dass er beginnt, grün zu werden und sich damit von allen seinen Freunden und der Umgebung im Grauland abhebt, begibt er sich auf die Reise in die Welt der Farben. Begleitet wird er dabei von Königen, Schnecken, Winden und Stürmen, alle in leuchtenden, satten und atemberaubenden Farben, doch im Grünland angekommen, muss er feststellen, dass es zu Hause doch am schönsten ist. „Der grüne Wanderer“ überzeugt durch wundervolle Illustrationen und eine liebevolle Geschichte. Hochwertig aufgemacht ist es ein absoluter Geschenketipp für Kinder ab 6 Jahren!

von Irine & Annika

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