Liebesgeschichten von Tschingis Aitmatow

Drei ungewöhnliche Liebesgeschichten hat der Züricher Unionsverlag gesammelt herausgegeben. Es handelt sich dabei um besondere Erzählungen von Liebeserfahrungen aus der Feder Aitmatows. Die bekannteste von ihnen, Dshamilja, und Mitbegründerin des Aitmatow‘schen literarischen Renommees, ist ebenso aufgeführt, wie die herzzerreißenden Du meine Pappel im roten Kopftuch und Aug in Auge. Auch wenn es nicht an einem Wörtererklärungsverzeichnis fehlt, mit dem frau einen lehrreichen Einstieg in die kirgisische Sprache beginnen kann, so mangelt es doch sehr an einem aufschlussreichen literaturwissenschaftlichen Nachwort. Der Publikation hätte dies weder den Zauber geraubt, noch die Lesezeit unpassenderweise gedehnt.

Diese drei Liebesgeschichten sind wirklich keine leichte Kost und nichts für zart besaitete Lesende. Spielen sich doch an den Rändern der Narrationen von Liebe – Intimität – Vertrauen auch massive Konflikte ab. Ob sexualisierte Gewalt, Krieg oder starre Hierarchien, diese Liebesgeschichten haben kein klares Happy End, vor allem für die Liebenden nicht. Die Liebe erscheint als idealisierte Prüfung, als harter Kampf und schwere Bürde. Von wem handeln sie? Meist von exotisierten Ailbewohner*innen mit einwandfreiem Gewissen. Sie sind mal jung, mal alt, genügsam, arbeiten im Kolchos und freuen sich der Mächte der Natur. Durch alle Erzählungen ziehen sich Sehnsuchtsorte, die durch pittoreske Beschreibungen auf ein verlorenes Paradies verweisen. Mächtige Berge, Flüsse und nach Wermut riechende Steppen. Es galoppieren Pferde und irgendwo klingt das Lied des Komus nach. Der die zum Krieg aufbrechenden Dhigiten besingt.

Aber Aitmatow ist auch ein klarer sowjetischer Autor. So scheinen Momente journalistischen Schreibens auf und werden zur literarischen Reportage verdichtet, Recht und Unrecht sind klar miteinander verwoben und dennoch stets einer menschlichen Suche nach absoluter Wahrheit unterworfen. In Du meine Pappel im roten Kopftuch geben Großbau- und Infrastrukturprojekte einen entscheidenden Handlungsverlauf vor, Begeisterung für technischen Fortschritt, Gemeinschaft, Trunksucht und Männerbündnisse. China als Bruderstaat und Hunger durch Elend in den Kolchosen. Aug in Auge thematisiert Fahnenflucht, Entkulakisierung, aber auch Held*innentod und Kriegstapferkeit.

Die Aitmatow’schen Liebesgeschichten sprechen in klarer Sprache der Liebe. Übernommene kirgisische Bezeichnungen sind nur ein Teil davon, der Rest sind Erfahrungen von Literaturen der Welt im Speicher literarischer Gedächtnisse.

von Amanda Beser

  • Herausgeber : Unionsverlag; 1. Edition (16. April 2018), 20 € (D)
  • Übersetzung : Hartmut Herboth und Juri Elperin
  • Gebundene Ausgabe : 288 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3293005334

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